Der Sinn von Diensten wie “twitter” oder “facebook” wird ja häufig hinterfragt. Ich nutze sie, ohne aber missionieren zu wollen. Ich bin auch kein großer Freund von “Retweets” irgendwelcher Aufrufe, doch in der vergangenen Woche leitete ich einen Hilferuf weiter. Überrascht war ich, als ich eine Rückmeldung bekam und obschon ich nur eine minimale Nebenrolle hatte, ich habe mich gefreut.
Es war einfach eine dieser Geschichten, die Unterstützung verdient. Jemand hatte in Neuseeland einen Fotoapparat gefunden, mit mehr als 1.500 Bildern auf der Speicherkarte, nahm ihn an sich und versuchte nach der Rückkehr nach Deutschland den Besitzer ausfindig zu machen. Er nahm ein Gruppenfoto, stellte es online und verwies in einem Forum darauf.
Die Lawine nahm ihren Lauf, zahlreiche Forenmitglieder reichten den Link weiter, diese gaben ihn – nach dem Vorbild der Telephonlawine der Drei Fragezeichen – an ihre Freunde weiter und so weiter. Dank facebook und twitter nahm die Lawine rasch Fahrt auf, die technischen Möglichkeiten machen es einfach: Mit einem Klick kann eine solche Suche unterstützt werden. Und wenig später erkannte jemand eine der Personen, Kontakt wurde hergestellt und der glückliche Besitzer bekam nicht nur den Fotoapparat zurück, sondern vor allem die verloren geglaubten Erinnerungen an den Trip ans andere Ende der Welt.
Die Aktion fanden allerdings nicht alle gut, der Initiator der Aktion berichtet, dass er auch mails bekommen hat, die kritisierten, dass er die Bilder überhaupt angeschaut hat und mit Blick auf die Privatsphäre der Abgebildeten rügten, dass er das ins InterNet gestellt habe. Ein Idealfall für ein Grundprinzip, im realen Leben und auch im Web: Das Abwägen verschiedener Rechte und des Nutzen.
Der Besitzer wird angesichts der Tatsache, die Fotos zurückbekommen zu haben, mit Sicherheit mit dem Verstoß gegen seine Persönlichkeitsrechte einverstanden gewesen sein. Zumal, rechtlich gesehen, es nur ein Verstoß gegen das Urhebergesetz gewesen wäre, denn mit dem Posieren und dem Lächeln läge konkludentes Handeln für die Aufnahme des Fotos vor, die Veröffentlichung in diesem Rahmen dürfte zumindest unter diesem Gesichtspunkt damit abgedeckt gewesen sein.
Doch genug der juristischen Spitzfindigkeiten. In nur 48 Stunden konnte der Besitzer eines in Neuseeland verlorenen Fotoapparats gefunden werden. Nur eine von vermutlich zahlreichen beeindruckenden Geschichten dieser Art, die aufzeigen, welche Möglichkeiten das Web bietet, in einer Zeit, in der eigentlich nur über Risiken berichtet wird.