flattr: Schmeichele uns und anderen!

Vorab: Wir haben dieses Blog nicht gestartet, um damit Geld zu verdienen. Allerdings wehren wir uns auch nicht aktiv dagegen. Das Blog ist aus “Sendungsbestreben” entstanden, die technischen Kosten sind überschaubar – dennoch freuen wir uns über Unterstützung. Neben kostenfreier Varianten wie “Weitersagen”, “Mitdiskutieren”, “Mitschreiben” und “Lesen”, entstand die Idee: “Kaffee für den Autor!” Nun auch virtuell via flattr. Ein Dienst, der zudem einfach eine coole Sache ist, um nicht nur uns sondern auch andere Projekte zu unterstützen.

Autoren sind Maschinen, die aus Kaffee Buchstaben machen. Hinter dem Link mit der Kaffeetasse haben wir dabei bereits zum Start neben der Möglichkeit uns direkt und real eine “Kaffee-Sachspende” zuzusenden mit Spenden via paypal eine virtuelle Form eingebettet. Wir hoffen dabei weniger darauf, davon unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Für die Autoren ist – wie für jeden “Künstler” – Applaus und Anerkennung aber eine wichtige Triebfeder. Das gilt auch für monetäre. Diese fließt bei uns direkt oder indirekt an die Autoren oder den technischen Ausbau des Angebots und kommt somit auch direkt wieder dem Leser zu Gute. Denn eine höhere Motivation der Schreiber, so hoffen wir, führt zu einem Mehr an Texten – quantitativ und qualitativ.

Der Dienst flattr ist dabei einfach eine sehr coole Idee, nicht nur für unsere Seite, sondern um generell im Netz Sachen zu unterstützen, die ohne Bezahlschranken auskommen. “To flatter” heißt übersetzt “schmeicheln”, für diesen Namen entschied sich Peter Sunde, der Schwede gründete auch die Tauschplattform Pirate Bay. Und die Idee ist so einfach wie genial: Der Nutzer zahlt bei flattr einen Beitrag ein und setzt ein monatliches Fixum fest, das er an Webseiten verteilen will. Beispielsweise einmalig 60 Euro, die bei 5 Euro im Monat ein Jahr reichen würden. Dann besucht der Nutzer Webseiten, gefallen ihm Texte, dann klickt er, falls vorhanden, einfach auf das flattr-Symbol.

flattr vermerkt den Click bei sich im System und verteilt am Ende des Monats das monatliche Fixum auf die verklickten Seiten. Bei 5 Euro im Monat und 10 Clicks gehen so beispielsweise fast 50 Cent an jede der angeklickten Seite, abgezogen wird noch eine Gebühr von 10 Prozent. Und wenn in einem Monat vom Leser nichts zugewiesen wurde, dann wird der Betrag an eine wohltätige Organisation gespendet – ein Info-Video findet sich am Ende des Beitrags. Bei voller Kostenkontrolle hat der Leser so die Chance ein Trinkgeld zu geben. Dies ist Normalfall in Restaurants oder bei Straßenkünstlern und kann nun, wenn ein guter Text serviert wird oder Zeilen unterhalten, mit einem Click auch virtuell erfolgen.

Bei vielen anderen ist flattr bereits im Einsatz. Die taz lag nach eigenen Angaben zuletzt bei monatlichen Einnahmen zwischen 1.300 und 1.900 Euro. Und auch netzpolitik.org weist mit durchschnittlich knapp 600 Euro im Monat einen Betrag aus, der eine stabile Säule eines tragfähigen Modells sein kann. “Als Fazit läßt sich sagen, dass flattr sich insofern etabliert hat, als dass es eine konstante Einnahmequelle pro Monat gibt”, bilanziert das Blog in einem Rückblick auf sieben Monate mit dem Micropayment-System.

Im Gegensatz zum Großteil der Verleger habe ich als Gründer von handball-world.com in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass es keineswegs eine Umsonstmentalität im Netz gibt, sondern Inhalte mit Mehrwert auch die Unterstützung der Leser finden. handball-world.com füllte damals eine Nische, drohte nach dem Platzen der Blase am Neuen Markt und des unruhigen Fahrwassers für Projekte im InterNet aber wieder zu verschwinden. Die Leute hinter dem Projekt zeigten sich aber standfest, auch, weil Leser von selbst ihre Hilfe anboten. Bei diesem Projekt führte das zu einem Unterstützerverein, bei dem mehrere hundert Leser neben der klassischen Werbung für eine weitere wichtige Säule bei der Finanzierung und dem Ausbau des Angebots sorgen.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte an flattr, wie beispielsweise die üppige Gebühr von 10 Prozent, die mit einem steigenden Gesamtumsatz aber vermutlich sinken dürfte. Zudem werden auf den Seiten zwar die Unterstützer nicht angezeigt, flattr kennt diese aber. Allerdings wird bei einem Mißbrauch sicherlich schnell der Umschwung auf ein dann entstehendes neues System erfolgen. Und, wenn flattr, wie frühere Projekte in diese Richtung, scheitern sollte – es wäre schade, aber unlesbar.de wird es weitergeben.

Denn die Idee ist faszinierend und sie gibt sogar Raum für eine generelle Unterstützung von Kultur. Werke in Ausstellungen oder Schaufenstern, Skulpturen im öffentlichen Raum, eine bestimmte Tierart in einem Zoo, ein kostenfreies Konzert oder auch einfach eine Anlage wie ein Park oder eine Gedenkstätte – mit einem entsprechenden Code könnte via MobileWeb auch im “realen” Leben mit einer Kleinspende direkt das unterstützt werden, was für unterstützenswert gehalten wird. Eine Vorstellung, die ich grandios finde und die Kultur und die Gesellschaft bereichern könnte.

» Zur Anmeldung bei flattr.com

Nachtrag, 8. Januar 2010:
spreeblick.de hat nicht nur auf seine Erfahrungen mit flattr zurückgeschaut, sondern auch auf die neuen Funktionen vorausgeschaut. Unter anderem mit einem Test auf das ausdruckbare “flattr-Schild” in Real Life.

About Christian Ciemalla

"Als Gründer des Projekts handball-world.com bin ich über die Jahre mit dem Web verwachsen..." Mehr: ciemalla.de
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