SWR im Swingerclub und ein verpasster Weltrekord

An diesem Wochenende scheinen Swingerclubs medial groß in Mode. Eigentlich wollte ich nur eine kurze Nachricht dazu machen, dass der SWR eine Liveschalte in einen Swingerclub hatte. Dann aber stolperte ich auch noch über einen Weltrekord, daher also doch ausführlicher.

In einem Swingerclub geht es nicht um Musik, so viel weiß ich auch. Und nach einem Gespräch mit einer Medienschaffenden, die zu Studienzeiten als Bedienung in einem solchen Club in Berlin arbeitete, auch einiges darüber hinaus, das ich eigentlich gar nicht unbedingt wissen wollte. “Alles kann, nichts muss!”, dachte sich wohl auch der SWR und schaltete bei “Live im Land” in der “Landesschau” halt mal live in einen Swingerclub.

“Hier hat man alle möglichen Möglichkeiten”, zitiert meedia.de die Moderatorin vor Ort. Der Bericht wurde bereits im Dezember ausgestrahlt, und wurde auch ganz offen angekündigt. “Live im Land: Unsere Reporterin schaut sich um im “Swingerclub” Maihof bei Altleinigen in der Pfalz” ist immer noch bei den Themen unter programm.ard.de nachzulesen.

Mediale Aufmerksamkeit erhielt das Thema aktuell durch den Spiegel. “Mit einem an Peinlichkeit kaum zu überbietenden TV-Beitrag hat sich der SWR blamiert”, berichtet dieser und führt aus, dass sowohl die Landessenderdirektorin wie auch der Intendant den Beitrag als “Katastrophe” und “völlig inakzeptabel” bezeichneten. “Der SWR realisiert derzeit eine Programmreform, die stärker auf die “Mitte der Gesellschaft” abzielt. Kritiker sehen seitdem den Trend zum Boulevard verstärkt”, so der Spiegel weiter.

Die “Mitte der Gesellschaft” hat auch Bild immer im Blick. “Lara Love hat den Mund zu voll genommen”, so die Überschrift der Bild zu einem investigativen Bericht aus einem Berliner Swingerclub. Nach 150 Männern musste “Erotik-Sternchen” Lara Love den Weltrekordversuch – Vorsicht: ein eigener Wortwitz – abblasen. Es ging, so Bild, um den internationalen Rekord im Oralverkehr, im April 2005 hatte US-Pornostar Summer Nyte angeblich eine “Bestmarke” von 249 Männern aufgestellt. Sie hätte gut in der Zeit gelegen, berichtet die Bild, doch dann fühlte sie sich nach zwölf Stunden schlapp, hatte Kopfschmerzen und ihr wurde mehrfach schwarz vor den Augen – der anwesende Arzt brach ab.

Es bleibt die Frage nach dem Warum. “Früher hieß sie mal Linda und war eine ganz normale Hamburger Deern. Seit ihrer Teilnahme bei der Pro-7-Show „Sommermädchen 2009” nennt sie sich Lara Love”, berichtet Bild über die Vergangenheit der Protagonistin. Die Berichterstattung in der Bild und die damit verbundene Publicity ist sicherlich eine der Antworten für die eine Seite. Das Warum für die andere Seite erklärt vermutlich alleine schon der Versuchsaufbau: “Ein „Glory Hole“ – eine Wand mit einem Loch auf Hüfthöhe, durch das der Penis gesteckt wird”, berichtet die Bild, die erklärt zudem, dass die geladenen Männer vorher duschen mussten. Ansehen wollte sich “Lara Love” das Elend aber wohl lieber nicht.

Doch davon ab, es bleibt dennoch nur ein Kopfschütteln. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass auf Kondome verzichtet wurde. “Durch den Test ist das Risiko sehr beschränkt”, vertraut die Pornodarstellerin einem Schnelltest und einer ärztlichen Draufsicht. Zumindest aber für die 100 Männer, die zu weit hinten in der Schlange standen, gab es noch ein befriedigendes Ende – berichtet die Bild: “Im Anschluss an den Weltrekordversuch fand eine große Gang-Bang-Party statt – jedoch ohne Lara.” Die Bild hat übrigens auch einen ausführlichen Videobericht dazu, inklusive Stimmen und Gesichter einiger Teilnehmer.

Zumindest aber habe ich in dem Beitrag meinen Kandidaten für den besten Untertitel des Jahres 2011 bereits gefunden, der überwachende Arzt wurde mit “Chirurg & Pornodarsteller” vorgestellt. Da hat man doch etwas erreicht im Leben. Dennoch, selbst die Bild schließt den Bericht mit “Bitte, bitte nicht noch mal versuchen”. Trotzdem: Immer, wenn man denkt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf das Niveau des Boulevards privater Medien sinkt, dann zeigen die, dass es noch tiefer geht.

About Christian Ciemalla

"Als Gründer des Projekts handball-world.com bin ich über die Jahre mit dem Web verwachsen..." Mehr: ciemalla.de
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2 Responses to SWR im Swingerclub und ein verpasster Weltrekord

  1. Maren says:

    Der Chirurg und Pornodarsteller “Dr. Placebo” ist übrigens auch ehemaliger CDU-Politiker…..

  2. Verweise auf Dr. F. Otze und Dr. A. Nal … hatte ich mir extra verkniffen :-)

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