Revolution? Sonne, Wasser gut

„In den Urlaubsgebieten ist es ruhig“, zitiert die dpa laut süddeutsche.de Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) zur Lage in Ägypten. Die Proteste forderten Tote, InterNet und Mobilnetz wurden ausgeschaltet und eine Ausgangssperre verhängt.

Am Mittwoch hatte ich einen ausführlichen Bericht zur Lage in Ägypten unter der Überschrift Cluburlaub in der Diktatur gemacht. Grund, die deutsche Überraschung über die „Entdeckung“ der Diktaturen in Tunesien, Ägypten und anderen Ländern der Region. „Diktatur? Aber, da waren wir doch im Urlaub. Nur reichten die Menschenrechte nicht über die Clubanlagen hinaus“, so mein Kommentar zum Gegensatz zwischen stabiler Diktatur und der Lebensrealität im Land.

„Wir versuchen es friedlich, aber die Polizei kennt keinen Frieden“, berichtet ein Bekannter eines Freundes direkt aus Kairo bereits vor zwei Tagen und kündigte für Freitag weitere Proteste an. Diese fielen heftig aus, davon berichteten die Medien. Die Polizei ging mit Tränengas, Wasserwerfern und Schlagstöcken auf die Demonstranten los. Das InterNet wurde abgeschaltet, ebenso die Mobilfunknetze und am Abend wurde eine Ausgangssperre verhängt. Die Lage wurde undurchsichtig, die Polizei verschwand von den Straßen, das Militär marschierte ein und die Situation verschärfte sich zusehends.

Im deutschen Fernsehen gab es zwar eine Sondersendung nach der Tagesschau, ansonsten aber nur kurze Schalten in den Nachrichtensendungen von ntv und n24, die am Nachmittag lieber alte Dokus zeigten. Auch Phoenix wiederholte lieber eine Sendung von Maybritt Illner, ARD und ZDF hielten an ihren Programmplänen fest – es war ja auch keine royale Hochzeit. Nah am Geschehen war hingegen die in meinem Kabelnetz vorhandene BBC, inklusive Interview mit einem eigenen Reporter, der mit blutigem Hemd aus dem Krankenhaus zum Interview kam. Al Jazeera berichtete zudem fast durchgehend im Livestream aus Kairo.

„Es gebe bei den deutschen Touristen am Roten Meer bislang auch keine Wünsche nach einer vorzeitigen Heimreise“, so der Deutsche Reiseverband weiter. Tagesausflüge nach Kairo und Alexandria würden derzeit aber nicht angeboten. In den Clubs ist also alles weiterhin in bester Ordnung, für das Wochenende ist Sonne und 25 Grad angesagt. Wahrscheinlich werden dort auch die beruhigenden Bilder des staatlichen Fernsehens gezeigt, die Al Jazeera in seinem Stream eindrucksvoll den eigenen Bildern von einem Hotelbalkon gegenüberstellte.

» unlesbar.de: Cluburlaub in der Diktatur

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Über Christian Ciemalla

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2 Kommentare zu Revolution? Sonne, Wasser gut

  1. Pingback: Urlaub bei den Diktatoren? – Neee, wir doch nicht! | bla³ – blablabla

  2. Felix sagt:

    Ich fand es gestern ganz angenehm, mal den Guardian in der Hand zu haben.

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