Eigentlich wollte ich nur in Ruhe mit der Bahn in heimische Gefilde. Doch es wurde überraschend unterhaltsam. Verkabelte und abgeschottete Menschen aus dem Businessbereich, die dabei überraschende Farbkleckse setzten – musikalisch und auch vom Filmgeschmack, beispielsweise mit den Muppets. Womit auch eine Überleitung zum einzigartigen “Elefantfahrstuhlführeraufzugsleiter” gegeben war.
Freitag, 18. Februar 2011, 21:28. Ich befinde mich im ICE von Tübingen zurück nach Hause – nach Göttingen. Um mich herum – wie ich auch – geschäftsmäßig seriös gekleidete Menschen mit Laptops auf dem Klapptisch, iPhones daneben und mp3-Playern auf den Ohren. Alle wirken sehr beschäftig und bereit über ihre elektronischen Hilfsmittel zu kommunizieren. Allzeit verfügbar eben. Aber gleichzeitig komplett abgeschottet von ihrer direkten Umgebung.
Wie soll man auch mit Menschen ins Gespräch kommen die vollkommen verkabelt sind. Zu dem Mittdreißiger im Spießeranzug würde ich gerne sagen, dass ich Paradise Lost auch mag – schließlich ist die Musik laut genug aufgedreht. Aber er würde mich ja eh nicht hören. Dennoch würde mich interessieren ob sich unter dem nicht ganz so edlem Tuch vielleicht ein abgewetztes Band-T-Shirt aus einem aufregenderen Lebensabschnitt befindet.
Zugegeben, wenn jemand neben mir in Zug oder Bus zu sitzen kommt, den ich irgendwie leicht bis stark ekelig finde bin ich heilfroh die Möglichkeit zu haben, mir Kopfhörer aufzusetzten und mich schlafend zu stellen. Heute ist mir aber nach Beobachten. Zu meiner großen Freude hat gerade auch mein Sitznachbar seinen Laptop aufgeklappt und überraschend ziemlich zahlreich Sympathiepunkte gesammelt. Während ich ihn mit dermatologischen Fotos davon abgehalten habe ununterbrochen auf meinen Bildschirm zu starren, darf ich mich beim Seitenblick nun über den grandiosen Film „Muppets aus dem All“ freuen.
Was bewegt einen fünfzigjährigen Anzugträger – vermutlich promoviert – dazu einen Muppet-Film zu schauen. Gut, ich bin mir sicher, dass mich mit 50 auch weiterhin Muppet-Filme, die “Yip Yips” oder aber der Elefantfahrstuhlführeraufzugsleiter zum Lachen bringen werden – und das mit einem spaßbefreiten Doktortitel. Vielleicht werde ich auch immer mal wieder mit einer engen Freundin im Bett liegen und Perlen der Filmindustrie wie „Plötzlich Prinzessin“ oder „Die Zicken-Clique“ schauen, Schokolade futtern, über Männer im Allgemeinen und unsere im Speziellen lamentieren oder darüber, dass man ja eigentlich viel zu fett ist. Aber bislang dachte ich, dass nur mein direktes Umfeld genauso infantil ist wie ich.
Aber offensichtlich ist es der 50-jährige Muppet-Fan neben mir genauso wie der Paradise Lost-Anzugträger gegenüber auch. Genauso wie die Millionen Harry Potter- und Twilight-Fans da draußen, oder die Mittdreißiger, die ohne ihre „Die drei ???“ –Kassette nicht einschlafen können. Und die Neuauflage alter Kinder- und Familienserien auf DVD, die Zugriffszahlen bei youtube – die Belege für die Entwicklung sind mannigfach. Doch, woran mag das liegen?
Zahlreiche Erklärungsversuche findet man in Form von nostalgischen Romanen zu denen Florian Illies mit Generation Golf den Grundstein legte. Hobbypsychologen würden vermutlich die Hypothese aufstellen, dass wir zu viel arbeiten und unser Privatleben nicht erfüllt genug sei und wir uns daher gerne mit unserer Kindheit – der guten alten Zeit – trösten.
Doch, unabhängig vom Grund: Menschen, die über Kinderkram lachen können sind mir tausendmal sympathischer als solche die ihren Humor bei der Volljährigkeit abgegeben haben. Außerdem war früher ja auch alles besser. Die Sesamstraße und Muttis Rouladen sowieso. Da darf man ruhig mal etwas nostalgisch werden. Beispielsweise übrigens auch beim oben angesprochenen “Elefantfahrstuhlführeraufzugsleiter”, aber einfach selber sehen und selber lachen.
der Elefantfahrstuhlführeraufzugsleiter ist der Hammer! Wenn ich nur wüsste, woher ich die Stimme kenne …
Es geht 4 3 2 1, es geht 1 2 3 4, und dann drück ich auf den Knopf hier und ich öffne die Tür. Mach sie schnell wieder zu, denn hier rein passt kein zweiter, ich bin der Elefantfahrstuhlführeraufzugsleiter.
Pingback: Fundsachen (4) « | Gleis 1 |
Vielleicht liegt es nur an der Elefantenassoziation, aber ich finde er hört sich wie Benjamin Blümchen an!
Sehr süß!! Für alle, die es interessiert: “Elefantfahrstuhlführeraufzugsleiter” wird 11 Mal gesagt bzw. gesungen.