In einem interessanten Leitartikel schreibt Kerstin Bund in der ZEIT über die Gewerkschaft der Lokführer, die mal wieder in unregelmäßigen Zeitabständen das Land lahmlegt. Kaum ein Thema spaltet wohl mehr die Gemüter.
In der Sache ist das Ganze wohl richtig, doch die Mittel, mit denen gekämpft wird, sind augenscheinlich die falschen. Streikaktionen in der Rush-Hour, bei diesem Streik sogar etwas nach vorn gelegt. Beim letzten Mal kamen die Pendler beispielsweise wenigstens noch mit dem ersten Zug um kurz nach vier von Berlin gen Süden. Aktuell wird der Streik einfach schon um vier begonnen, sodass bloß kein Pendler die Möglichkeit des Ausweichens hat und die Bahn in Form von Kundenbeschwerden ordentlich ihr Fett weg bekommt. Und viele Berufspendler bleiben einfach im Homeoffice oder nehmen Zwangsurlaub.
Kein anderer Streik für eine kleine Gruppe Menschen behindert so viele andere Menschen – nämlich 6,5 Millionen pro Tag. Von Solidarität keine Spur – und der wirtschaftliche Schaden der Deutschen Bahn geht täglich in die Hunderttausende. Vermutlich ist das auch der Topf aus dem Lokführergehälter bezahlt werden – streng genommen etwas paranoid. Und das alles für einen Branchentarifvertrag, der quasi in trockenen Tüchern ist und nach dem der Platzhirsch DB ohnehin schon bezahlt und keine Steine in den Weg legen will.
Nicht zu vergessen auch die Prozentpunkte der Lohnerhöhung im Nachkommabereich, die klassisch zu jeder Forderung dazu gehören. Dafür gibt es Frust, leere Büros und Zeitmanagement-Chaos im ganzen Land. Man wird den Verdacht nicht los, dass die kleine Gewerkschaft tatsächlich mit Machtspielen um ihre Existenzberechtigung kämpft und die Sache selbst aus den Augen verloren wird. Das ist nicht nur schade, das ist hochgradig gefährlich für eine positve Entwicklung der deutschen Wirtschaft.
Wer sich näher und nicht von Seiten der Gewerkschafts-Verfechter mit dem Thema beschäftigen möchte, dem sei der genannte ZEIT-Artikel ans Herz gelegt.
http://www.zeit.de/2011/11/01-Lokfuehrer-Streik-Gewerkschaft
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