Das Schöne an Köln ist ja, das hier alles immer im Karneval endet. Anschaulich erlebt der Fremde dies in den vielen Kölner Kneipen, in denen spätestens ab 22.00 Uhr die Musicbox kölsches Liedgut abspielt und die Kneipengäste gemeinschaftlich mitsingen bzw gröhlen. Die fünfte Jahreszeit findet der Kölner viel zu schön, um sie nicht ganzjährig durchzuziehen. Deswegen hält man sich hier auch einen Profi-Fußballklub, der – sollte es einmal zu unkarnevalesk zugehen – stets in die Bresche springt.
Seit dem sportlichen Niedergang Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts strömten die Zuschauer zwar stets weiter ins 50.000 Zuschauer fassende Stadion im Westen der Rhein-Metropole, aber weniger zur Bewunderung fußballerischer Großtaten, als vielmehr zum Absingen kölschen Liedguts. “M´r stonn zu Dir, FC Köööööllle”, gehört wohl zu den beeindruckensten Stadionhymnen bundesweit und stellt seit Jahren den emotionalen Höhepunkt eines jeden Heimspiels dar. Vor dem Anpfiff, versteht sich. Doch seit heute ist die Stadt, der Klub und der Karneval um eine Posse reicher: FC-Trainer Frank Schaefer trat drei Spieltage vor Saisonende zurück und hinterlässt ein rätselndes Publikum.
Seit einigen Wochen berichtet die örtliche Boulevard-Zeitung im üblichen Stil direkt aus der Mannschaftskabine. Egal, was dort passiert, die Zeitung weiß es. Ob harsche Spielerschelte durch den Trainer, Kaspereien durch den Motivationspsychologen oder verbale Eingriffe durch den neuen Sportdirektor Volker Finke vor versammelter Mannschaft, die als Demontage des Erfolgstrainers gewertet werden, die FC-Anhänger sind immer ganz nah dran, wenn etwas beim FC passiert.
Heute nun trat Frank Schaefer nach Exklusivinformationen der Kölner Boulevard-Zeitung “Express” vom Amt des Trainers mit sofortiger Wirkung zurück. Der Trainer habe vor dem um 9.40 Uhr angesetzten Training die Mannschaft von diesem Schritt unterrichtet, heißt es unter der Überschrift “Trainer-Beben beim FC”. Sportdirektor Volker Finke, als Trainer des SC Freiburg zu Kultstatus gekommener Niedersachse, der mit 16 Jahren ununterbrochener Trainertätigkeit beim Breisgau-Klub Rekordhalter in Sachen Kontinuität in der Bundesliga ist, soll für die letzten drei Spiele der Saison dem Karnevalsklub den Klassenerhalt bescheren, was angesichts der Vita Finkes ein gelungener Gag ist. Kontinuität und Köln hatten bisher nur das Anfangs-K gemeinsam.
Dabei war der 1. FC Köln nach einer Serie von sieben siegreichen Heimspielen eigentlich schon gerettet. Aber das war der Kölner Zeitungslandschaft wohl zu langweilig. Pikante Details aus dem Innenleben des Klubs wurden publik, die Forderung der Journalisten nach einem Vertrag für Frank Schaefer über die Saison hinaus wurden vom Vereinsvorstand nicht ausreichend und glaubhaft unterstützt, am Ende sorgte das fehlende Bekenntnis des Vereins zum Trainer dafür, dass dessen Bekenntnis zum christlichen Glauben von Vereinsseite als ursächlich für seine Nichteignung als Bundesliga-Trainer thematisiert wurde.
Die öffentliche Demontage aller Beteiligten führte zuletzt zu hässlichen Drohungen sogenannter Fans, die an eine Werbebande auf dem Trainingsplatz den Satz “Wenn Ihr absteigt, schlagen wir Euch tot” geschmiert haben, ein Spruch, der früher schon des öfteren zu hören war, wenn es mal wieder schlecht lief beim FC. Also oft.
Nun wird Volker Finke in der Domstadt unterstellt, gezielt die Demontage des beliebten Frank Schaefer betrieben zu haben. Dessen Verdienst bestand im wesentlichen darin, Kölner zu sein und den FC vom letzten Tabellenplatz von 5 erbärmlichen Pünktchen auf 35 Punkte zu hieven, was fast für den Klassenerhalt reicht. In 21 Spielen holte der FC mithin 30 Punkte, was kein allzu schlechter Schnitt ist. Allerdings gab es irritierende Auftritte der Kölner in fremden Stadien, etwa ein 2:6 in Hamburg, ein 1:5 beim Erzrivalen Mönchengladbach und zuletzt ein 1:4 beim Werksklub aus Wolfsburg. Freundliche Menschen sahen in der Abfolge der Ergebnisse zumindest eine Verbesserung, was die Anzahl der Gegentore anging.
Eine sportliche Analyse der sportlichen Achterbahnfahrt wird in der Stadt aber gar nicht erst versucht, vielmehr geht es nur um Neid, Eifersüchteleien und Intrigen. Hätte man Frank Schaefer nur in Ruhe arbeiten lassen, wäre man längst alle Abstiegssorgen los, so lautet die einfache Formel. Dabei war es doch gerade der Boulevard, der diese Unruhe durch Veröffentlichungen aus dem Innenleben erst so richtig angefacht hat. Weil man eben darauf verzichtete, die sportlichen Gründe für die teilweise katastrophalen Auftritte des FC in fremden Stadien zu erklären. Vielleicht gibt es auch gar keine Erklärung dafür, sofern man dem Trainer keine taktischen Mängel nachweisen möchte.
Am kommenden Samstag steht das richtungsweisende Derby gegen Bayer Leverkusen an und es wird sich zeigen, ob die 50.000 Zuschauer den Text der FC-Hymne verinnerlicht haben. “M´r jonn mit Dir wenn et sin muss durch et Füer”. Die Stimmung der Fans dürfte jedenfalls interessanter sein, als das Geschehen auf dem Platz. Die Fans sind notorisch unzufrieden mit der Vereinsführung und vermuten eine große Intrige gegen Frank Schaefer. Der sagte in einer Erklärung auf der FC-Homepage zu seinem Rücktritt: “Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich der Mannschaft im Moment nicht mehr so weiterhelfen kann, wie ich es für nötig erachte, und habe mich deswegen zu diesem Schritt entschieden. Ich möchte hier noch mal klar betonen, dass ich meine Entscheidung unabhängig von medial dargestellten Spannungen zwischen mir und Volker Finke getroffen habe.” Aber das sagt der nur so. Glaubt doch eh keiner. Das muss er doch sagen!
Die Wahrheit interessiert ohnehin niemanden. Das Kölner Dreigestirn aus Präsident Overath, Geschäftsführer Horstmann und Sportdirektor Finke muss nun die elf Flammen aus dem Stadtwappen wieder für Fußball begeistern. Sonst droht womöglich doch noch der Abstieg aus der 1. Bundesliga. Man stelle sich vor, wie groß das Gelächter in Mönchengladbach sein wird, wenn die Fohlen noch am FC vorbeiziehen sollten. Dabei hat jeder gedacht, die Gladbacher gehen fröhlich in die Zweite Liga, nachdem sie ihr Saisonziel längst erreicht hatten: zwei überdeutliche Siege gegen den ungeliebten Nachbarn.
Das beste wird sein, der FC verpflichtet Hans Süper als Trainer. Das kölsche Karnevals-Urgestein hat eine brilliante Beintechnik, kennt alle Lieder des Fasteleer und ist ein begnadeter Redner.
Update: Einen wahrhaft rundum gelungenen Zustandsbericht schreibt blogger “spielbeobachter” .

trefflich Herr Nolden und das zum Thema Fußball. Demnächst folgt sicherlich was über Frauenhandball. Wobei steht das F beim FC überhaupt für Fußball?
Man kann sich sicherlich darüber streiten, ob beim FC annähernd irgendetwas mit Fußball zu tun hat. Obwohl die sechseinhalb Heimspiele seit dem Bayern-Spiel waren teilweise sehr ansehnlich. Man merkte im Stadion (wo ich mittlerweile wieder Stammgast bin) wieder so etwas wie Freude am Spiel und an der Mannschaft. Umso bitterer, dass jetzt wieder alles den BAch runter zu gehen droht. Mich erinnert das an 1998, dem Jahr des 1. Abstiegs. Damals war man auch etliche Spieltage vor Saisonende schon so gut wie gerettet und wurde dann doch nach unten durchgereicht. Nach jener Saison habe ich meine Dauerkarte in der Südkurve zur Verfügung gestellt und mich fortan wieder meiner wahren Leidenschaft, dem Handball, zugewandt. Nur um das mal klarzustellen
Zu dem Beitrag ist ja schon alles gesagt. Und 42 ist ohnehin die Antwort auf alle Fragen. Alles Gute!
Was will man denn auch von Spielern erwarten, denen man nach einem Torerfolg noch vorwirft, dass sie außer Geschlechtsverkehr, Karten spielen und Tanzen nichts können?
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