Regierungsversprecher oder wie Osama zu Obama wurde

In einer Fernsehansprache teilte US-Präsident Barack Obama heute mit, dass Al Qaida-Führer Osama Bin Laden bei einer Aktion amerikanischer Streitkräfte in Pakistan ums Leben gekommen sei. Die Meldung sorgte für Aufruhr – und Vertipper: “Obama verantwortlich für Tod tausender Unschuldiger, hat Grundwerte des Islam und aller Religionen verhöhnt”, verlautete es über den offiziellen twitter-account von Regierungssprecher Seibert, der s und b verdrehte.

Die Schnelllebigkeit des Newsgeschäfts sorgt dafür, dass die Fehleranfälligkeit steigt. Sei es aufgrund der Vernachlässigung in der Verifizierung von Informationen oder aber auch in Form von Tipp- oder handwerklichen Fehlern, wie ins Leere laufenden Sätzen oder Namensverwechslungen. Wer mit einer News als Erster am Markt sein will, der hat zumeist keine Zeit für das Gegenlesen – ganz zu Schweigen von einem früher arrivierten Vier- oder Sechs-Augen-Prinzip, nach dem immer mindestens ein Kollege vor der Veröffentlichung den Text gegenlas und redigierte.

Dieses Problem scheint allerdings nicht begrenzt auf die Newsverwerter, sondern auch die Zulieferer zu betreffen. Der neue Regierungssprecher Steffen Seibert hatte zuletzt einen offiziellen Twitter-Account eingeführt, um Journalisten aber auch die Öffentlichkeit direkt auch über diesen Kanal mit Informationen zu versorgen. Ein Schritt, der vor einigen Wochen die deutschen Hauptstadtjournalisten in Aufruhr versetzte, das Videoprotokoll ist beispielsweise bei carta.info zu finden.

Und diese erhielten nun durch einen Vertipper in ihrem Technikunglauben Vorschub, denn statt “Osama” lief über den Twitteraccount des Regierungssprecher in dem eingangs geschilderten Tweet eben “Obama”. Ein peinlicher Vertipper, der sicherlich die Bedenkenträger unter den Hauptstadtjournalisten in ihrer Sichtweise bestätigen wird. Ich sehe schon Forderungen auftauchen, wonach ein “Tweet” erst mit diversen Stellen abgestimmt werden muss, bevor er dann mehrere Tage nach der Erstellung zur Veröffentlichung freigegeben wird. Grandios wird dies aus Firmensicht dargestellt bei trendopfer.de.

Und wer glaubt, dass ein solcher Vertipper ein Twitter-Phänomen ist, dem bewies Spiegel Online gleich das Gegenteil: “US-Militär soll Obama auf See bestattet haben”, hieß es dort einige Zeit – dokumentiert ist beides beispielsweise bei netzpolitik.org. Gemeint natürlich wieder Osama und nicht Obama, wie auch bei dem Fernsehsender “Fox”, der laut manager-magazin.de die Zeile “Obama bin Laden is Dead” einblendete. Die FAZ hat übrigens ihren eigenen Weg gefunden, um zumindest diesen Vertipper zu erschweren, dort wird vorsichtshalber die Transkription “Usama bin Ladin” benutzt und somit zwei Vertipper nötig um Usama zu Obama zu machen.

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Über Christian Ciemalla

"Als Gründer des Projekts handball-world.com bin ich über die Jahre mit dem Web verwachsen..." Mehr: ciemalla.de oder twitter.com/ciemalla
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Eine Antwort auf Regierungsversprecher oder wie Osama zu Obama wurde

  1. Klaus sagt:

    Obama ist immerhin so cool, dass er einfach diejenigen umbringen lässt, mit denen ihn Menschen verwechseln ;)

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