Facebook-Partys und die mediale Grundversorgung

“Wer stoppt diesen Irrsinn?”, fragt bildblog.de. Es geht um die öffentlicher Partys, seit Thessa häufen sie sich. Was vor einigen Jahren noch ein “Flashmob” war, heißt heute schlicht “Facebook-Party”. Bild zeigt fleißig, wo man heute oder morgen mitfeiern kann. Polizei und Krawall inbegriffen. Aber nicht nur der Boulevard ist auf das Thema eingestiegen, selbst die Redaktion des ARD-Morgenmagazins entblödete sich nicht, heute Morgen eine Einführung in das Thema zu geben.

Immerhin ist der Bericht nicht in der ARD-Mediathek verfügbar und kann somit nicht ganz so leicht im Internet weiter verbreitet werden, mag man aufatmen. Andererseits bin ich geneigt festzustellen, dass die Berichterstattung über Facebook-Partys nun offenbar Teil der Grundversorgung ist, die die öffentlich-rechtlichen Sender im Auftrag der zu leisten haben. Sonst bräuchte man ja nicht darüber berichten, schon gar nicht mit der einleitenden Frage “Was sind eigentlich Facebook-Partys?”.

Boshaft könnte man interpretieren, die Redaktion des Morgenmagazins wollte vielleicht ermöglichen, dass sich die Älteren bei dem Thema auch “in” fühlen können? Vielleicht hat man sich aber auch mit Rücksicht auf die “Nachtwanderer” des Themas angenommen? Vielleicht gibt es ja bald massenweise öffentliche Get-Togethers von älteren Radaubrüdern, abseits von Demonstrationen gegen Stuttgart 21? Ketzerische Fragen vielleicht, doch die Berichterstattung stachelt die Mode weiter an, deren Folgen nicht abzusehen sind, das Thema hatten wir hier bei unlesbar.de bereits im Beitrag: Thessa, Ford Fairlane und Katalysatoren.

Doch, zurück zur Grundversorgung. Was bezweckt sie denn? Es sollen Informationen geliefert werden, relevante, über das, was die Menschen bewegt, und zudem sollen auch unterhaltende Programmbestandteile geboten werden. Zum ersteren gehört offenbar auch die Information, dass es einen Trend zu öffentliche Partys gibt, zu denen ein kleiner Kreis über das Soziale Netzwerk Facebook eingeladen hat, die Hintergründe dieser Entwicklung aufzudecken und womöglich gegenzusteuern. Sicher nicht dazu gehört, Screenshots solcher Einladungen abzudrucken und die “Feten” dadurch für alle Welt zugänglich zu machen. Wer stoppt diesen Irsinn?”, fragt bildblog zu Recht – und meint damit nicht nur die “Partys” an sich, sondern vor allem die Berichterstattung.

Bildblog.de hat nämlich Recht: Opa hätte vermutlich nie etwas von den öffentlichen Partys mitbekommen, wenn nicht alle Medien darüber berichten würden. “Und die nächste Party ist schon ausgerufen”, zitiert das Watchblog die Bild, die will wohl die Spaßgesellschaft wiederbeleben will. – Es ist durchaus eine kulturelle Frage, deshalb wurde das das Thema auch im “Wort zum Sonntag” am 18.06.2011 aufgegriffen. Nora Steen, Pastorin in Hildesheim, referierte über die Möglichkeit von Facebook Grenzen zu überwinden und über das reale Privatleben. Die Grenzen dazwischen sind fließend. Man kann, wie jeder einzelne Link hinter den folgenden Worten zeigt, sehr viel Positives erreichen. Sie kann aber auch zum Nachteil anderer überwunden werden, ein Punkt, der sicherlich nicht unreflektiert bleiben darf.

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Über Felix Buß

Die Welt ist für mich ein Pulverfass, das zum Ziel hat, mich zu explodieren. Georg Kreisler
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