Google wischt einmal kräftig durch. Wie Spiegel Online berichtet, wird der Konzern in seinem Kerngeschäft als Suchmaschine ein großes Update durchführen. Der Algorithmus wurde bereits für den englischsprachigen Raum geändert, nun soll auch in Deutschland eine Umsortierung erfolgen. “Unser Seitenqualitäts-Algorithmus zielt darauf ab, dass Leute Seiten mit hoher Qualität finden, in dem Content mit geringer Qualität abgewertet wird”, so Amit Singhal auf den Google-Entwickler-Blog.
Es wirkt ein wenig so, wie der Kampf zwischen Dopingsündern und Dopingjäger, allerdings mit vertauschten Rollen zwischen “Gut” und “Böse”. Während die Dopingsünder immer neue Methoden entwickeln, um gegenüber der Konkurrenz einen Vorteil zu gelangen, müssen sich die Dopingjäger darauf konzentrieren, die auftretenden Lücken mittels eines Testverfahrens zu schließen. Hier verhält es sich anders herum. Google definiert die Qualität eines Textes und gibt dem User ein Ranking der Seiten. Für die Seiten, vor allem die professionellen, ist es wichtig dort oben zu stehen und so gibt es auch Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, gewisse Seiten im Ranking möglichst nach weit oben zu hieven.
“Die Artikel sind optimiert, allerdings in der Regel nicht auf die Bedürfnisse der Nutzer, sondern auf die Kriterien, die bei Google bislang galten, um eine Seite in der Suchliste nach oben zu schieben”, schreibt SpOn. Was in der Popmusik die berühmten “four chords” sind, um einen Hit zu produzieren, das ist hier das Wissen über den Google-Suchalgorhithmus. Längst hat sich ein eigenes Geschäftsmodell der Suchmaschinenoptimierung entwickelt, kurz SEO – Search Engine Optimization.
“Panda war nur eine von rund 500 Anpassungen, die wir im letzten Jahr durchgeführt haben”, versucht google den normalen Website-Betreibern die Angst vor der Abwertung zu nehmen. Ein Fragenkatalog zum Qualitätsmanagement wurde als kleine Anleitung vom Konzern erstellt. Es geht google demnach um Vertrauenswürdigkeit und die Qualität der Texte, egal ob nun inhaltlich oberflächlich oder eben grammatikalisch oder orthografisch falsch. Interessant für Seiten dürfte vor allem der “Anteil an eigenem Content” darstellen.
Wird eine Enzyklopädie wie Wikipedia unter solchen Bedingungen eigentlich noch gelistet? Was passiert mit den Internetseiten der verschiedenen Zeitungen und Newsportale, die Agenturmeldungen übernehmen und veröffentlichen? Glaubt man einer Untersuchung des Berliner Unternehmens searchmetrics, so profitieren journalistisch starke Seiten, wie der Guardian, The Independent oder auch The Mirror. Oder eben unlesbar.de. Die Suchmaschinen-Experten sind auch dabei die Punkte herauszufinden, die google wichtig erscheinen – die Verweildauer könnte ebenso eine Rolle spielen, wie auch mittlerweile die in sozialen Netzwerken geteilten Inhalte.
Gleiche Untersuchungen werden auch im Bereich der SEO durchgeführt werden. Auch in der Wissenschaft gehören die sogenannten Model Output Statistics (MOS) längst zum Alltag, so zum Beispiel beim täglichen Wetterbericht, wie unter anderem auch bei Meteomedia mit einem eigenen Expertensystem oder MC-Wetter mit einem sogenannten Multi-MOS. Man gleicht die vorhergesagten Werte mit den dann später eingetretenen Werten in der Vergangenheit ab, versucht so systematische Fehler zu eliminieren und eine bessere Vorhersage zu erhalten. Ähnliches wird man auch im Bereich der SEO erwarten. Wenn sich herausstellen sollte, dass die Verweildauer und der “Gefällt Mir”-Status wichtige Kriterien bei der Gewichtung der Suchergebnisse darstellen, dann wird man auch hier Schlupflöcher finden und nutzen.
Die SEO wird sicherlich auch eine Antwort auf die neuen Anforderungen finden. Es gibt beispielsweise schon Berichte über das Geschäft mit den gekauften Facebook-Fans, seitdem diese Größe von vielen Firmen zu einem bedeutenden, wenn auch wenig aussagekräftigen, Vergleichskriterium aufgeblasen wurde. Und vielleicht kommt es zu weiteren komischen Entwicklungen wie diesen: “Manche lassen ihre Texte auch in Indien produzieren, ein Einsteiger bekommt dort zwei Dollar pro Artikel”, erläutert der Suchmaschinen-Experte Marcus Tober gegenüber dem Spiegel. Ein Preis, mit dem wir bei unlesbar.de beispielsweise – zumindest derzeit – nicht konkurrieren können.