Aus religiösen gründen haben die iranischen Frauen die Chance auf die Olympischen Spiele 2012 in London verstreichen lassen, sie traten beim Qualifikationsturnier in Jordanien nicht an. Grund ist die Unvereinbarkeit von religiösen Vorschriften und den Regeln der FIFA, und vor allem Politik.
Die iranischen Frauen wollten zu den Spielen mit der religiösen Kopfbedeckung Hijab auflaufen, in Verbindung mit langen Hosen und Trikots – aus religiösen Gründen. In den Kleidervorschriften der FIFA ist die Hijab, wie auch andere Kopfbedeckungen oder Kleidungsstücke, nicht erlaubt. Nach FIFA-Richtlinien müssen Hals und Ohren sichtbar sein, der asiatische Verband hingegen erlaubt das Tragen der Kopfbedeckung.
Der Iran hatte vorher mit eben diesen Kopfbedeckungen die erste Qualifikationsphase erfolgreich bestritten, sich mit einem abschließenden 2:0 über Bahrain das Ticket für die 2. Runde gesichert. Unerwartet war die Aktion der FIFA bei der Olympia-Qualifikation, so Farideh Shojaei auf der iranischen Verbandsseite, der von einem großen Schock für die Delegation sprach. Er verwies unter anderem darauf, dass die iranischen Frauen auch unter den Augen von FIFA-Präsident Joseph Blatter bereits in dieser Kleidung gespielt haben.
Beim Qualifikationsturnier im jordanischen Amman wurden die Spielerinnen allerdings im Innenraum gestoppt und ihnen das Antreten mit dem Hijab verboten. Aus religiösen Gründen wollten die Fußballerinnen nicht auf die Kopfbedeckung verzichten, das Spiel wurde daher mit 3:0 für den Gegner gewertet. “Anschließend saßen die iranischen Spielerinnen beim Abspielen der Nationalhymne weinend auf dem Rasen und beteten”, berichtet focus.de. Der Traum von Olympia war geplatzt, der iranische Verband will protestieren.
“Tatsache ist: Die Regularien verbieten den Hijab. Grundsätzlich kann man das verstehen, weil es sehr viele Religionen gibt und sehr viele Ausprägungen, was die Kleidung betrifft. In Indien gibt es beispielsweise den Turban, der mit seinen Klammern für Verletzungen beim Fußball sorgen könnte. Verbietet man nun den Turban mit dieser Begründung, aber erlaubt den Hijab, mit dem man auch hängenbleiben und so für Verletzungen sorgen kann, dann entsteht auch wieder Chaos. Und übrigens: Wenn Frauen mit Verweis auf die Fifa-Regel auf den Hijab verzichten dürfen, dann ist das für viele eine Erleichterung”, so die für die FIFA in vielen islamischen Ländern im Frauenfußball tätige Monika Staab im Interview mit faz.net.
Besondere Brisanz erhält der Vorfall aufgrund der direkt bevorstehenden Frauen-WM in Deutschland, dieser Zusammenhang wird auch in den Medienberichten zu diesem Vorfall hergestellt. Allerdings befindet sich unter den sechzehn für die WM-Endrunde qualifizierten Teams keines aus einem muslimischen Land. “Ich hoffe aber, dass Iran sich mal bald nach der Aufstockung der Frauen-WM auf 24 oder bald 32 Teams für eine Frauenfußball-WM qualifiziert. Dann hoffe ich, dass sich das Land lockert”, so Monika Staab in dem Interview aus dem April 2010.
Fußball ist Politik, Politik ist Fußball. Dennoch, es handelt sich um eine Posse: Auf der einen Seite wird auf die Buchstaben des Regelwerks und auf der anderen auf – zumindest aus meiner Sicht nur schwer zu verstehende – religiöse Vorschriften gepocht. Toleranz und Fair play sind vom Iran nicht zu erwarten, die FIFA hat sie sich allerdings auf die Fahnen geschrieben – hat aber scheinbar Angst, dass ein Entgegenkommen als Sieg des Iran angesehen werden könnte. Allerdings traten bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking bereits zahlreiche Sportlerinnen aus muslimischen Ländern mit dem Hijab an, der auch in anderen Verbänden erlaubt ist.
“Bei uns ist in 40 Jahren seit Aufhebung des Frauenfußballverbots 1970 und vor allem in den nur sieben Jahren seit dem ersten WM-Titel 2003 auch viel in Sachen Anerkennung passiert, was zuvor unvorstellbar war. Also lassen Sie uns mal Geduld haben”, so Monika Staab. Diese Hoffnung werden vor allem die Spielerinnen in den islamischen Ländern haben, in denen das Fußballspielen alleine schon ein politisches Statement ist.