Fremdwörter sind immer eine tolle Sache. Schließlich gehen viele davon aus, dass sie den Eindruck von Ahnung vermitteln. Dass es aber auch das eine oder andere Fettnäpfchen gibt, das zeigte jüngst Stefan Niggemeier mit einem besonderen Fundstück auf. Verkürzt: Wetterforscher hören die Einschläge nicht mehr.
“Die Wettervorhersage ist Interpretationssache. Bei einer komplizierten Gemengelage kann ein- und dasselbe Meteoritenbild von zwei Meteologen unterschiedlich bewertet werden. „Wer Recht hat, sieht man dann erst am nächsten Tag“, sagt die Leiterin der HR-Wetterredaktion, Silke Hansen.” Diese schönen Zeilen fand
Gut, die Worte Meteorit und Meteorologie stammen beide vom griechischen Wort meteoros ab, was “in der Luft schwebend” bedeutet und atmosphärische Leucht- und Wettererscheinungen umfasst. Aber Meteoritenbilder für die Erstellung eines Wetterberichts, das hätte doch auffallen dürfen. Denn so zahlreich sind Meteoriten noch nicht, dass sie sich auf das tägliche Wetter auswirken. Der auf Welt Online erschienene Artikel wurde mittlerweile korrigiert, bei anderen Medien ist er noch zu finden.
Es ist allerdings nicht der einzige Fehler. Es ist verführerisch von Meteologen zu sprechen, schließlich kürzen die Wetterfrösche sprachlich selbst immer den ursprünglichen Wortschatz mit Firmennamen wie Meteomedia oder Meteosat ab, aber falsch. Wenigstens diese Klippe umschifften der Bremer Weser-Kurier und der Kölner Stadtanzeiger erfolgreich durch ein zusätzliches “ro”, der Meteoriteneinschlag ereilte sie dennoch.
Aber, unabhängig von der sprachlichen Ebene ergeben sich auch weitere interessante Aspekte, beispielsweise die “Interpretationssache”. Nun, während meines Studiums der Meteorologie bin ich dem Wort “Interpretation” relativ selten begegnet. Schließlich gehört das Fach zu den deskriptiven Wissenschaften und hat Verbindungen zu zahlreichen Naturwissenschaften und der Mathematik. Es wird analysiert, beispielsweise der Zustand der Atmosphäre in verschiedenen Höhen oder ein Satellitenbild, und gerechnet.
Die Rechenarbeit übernehmen im Allgemeinen entsprechende Computermodelle, die dann die entsprechenden Prognosen liefern – mit einer entsprechenden Ungenauigkeit. Entwicklungen werden beispielsweise zu schnell oder zu langsam angenommen und sorgen dann für Folgefehler. Teils sind auch die Wirkungsmechanismen auch noch nicht vollends ergründet, schließlich handelt es sich beim Wetter um eine recht komplexe Chaosmaschinerie. Die “Wolkenphysik” sei hier als ein Beispiel genannt. Hinzu kommt in vielen Wetterberichten die fehlende Ausdifferenzierung, “im Westen Sonnenschein” umfasst halt doch ein recht großes Gebiet mit mehreren Wetterzonen.
Es gibt also etliche Gründe, die zu einer falschen Vorhersage führen können, dennoch sind diese recht genau. Im Studium hatten wir beispielsweise immer freitags die Wochenend-Vorhersage für die Region Köln/Düsseldorf zu erstellen und mit dem Wissen der Bodenverhältnisse am Köln/Bonner Flughafen, dem Verlauf des Rheintals und auch einem einfachen Parameter wie der Höhe über Normal Null – die eben dank des Bergischen Landes und des Siebengebirges doch deutlich von der Modellhöhe abweicht – ließen sich so die Vorhersagen durchaus verfeinern. Ein durchschnittlicher Student erreichte so durchaus eine Vorhersagegenauigkeit von 90 Prozent – pro Zehntelgrad Temperaturunterschied gab es schon Punktabzug. An leichten Tagen waren sogar 95 Prozent oder mehr keine Seltenheit.
Warum sich so eine hohe Trefferquote erzielen ließ, ist auch leicht erklärt: Es gibt eben verschiedene Modelle und wenn man weiß, welchem Modell man welchen Wert am ehesten glaubt, dann hat man die besseren Karten auf seiner Seite. Zumindest im Vergleich zu denen, die Meteore befragen oder gegenüber den Metheologen, denn Methe, in der Geschichte des Dionysos die Frau des asyrischen Königs Staphylos, wird dort als “Trunkenheit” übersetzt.