Schiefe britische Pisastudie

Fast jeder kennt ihn, den berühmten Glockenschlag von Big Ben. Doch das Wahrzeichen der britischen Hauptstadt London macht nun aus anderem Grund Schlagzeilen. Um 0,26 Grad soll sich der Turm nun in Richtung Nordwesten geneigt haben. Die Neigung sei bereits mit bloßem Auge erkennbar, lässt sich unter anderem auf focus.de nachlesen.

„Ich habe Touristen sagen hören, der Turm sei nicht ganz in der Vertikalen – und sie haben Recht“, wird der für die Statik-Messungen zuständige Professor John Burland zitiert. Eine Einsturzgefahr – so heißt es, bestehe erst in ca. 4.000 Jahren. Auf der anderen Seite wird allerdings ein U-Bahn-Bau als mögliche Absinkursache erwähnt.

4.000 Jahre klingt beruhigend aber, ich als Kölner kann mich gut erinnern, wie schnell es manchmal gehen kann: Im Januar 2004 erlangt die Kirche St. Johann Baptist lokalen Ruhm, denn der 44 Meter hohe Turm hat sich um 77 Zentimeter geneigt. Das ergibt flux nachgerechnet immerhin einen Neigungswinkel von ca. 1 Grad. Kein Grund zur Besorgnis, der berühmte Turm von Pisa hält gar einer Neigung von knapp vier Grad Stand und hatte in früheren Jahren schon mehr als fünf Grad Neigung.

Den offiziellen „Guinness World Record“ hält die ostfriesische Gemeinde Suurhusen. „Der Turm in Suurhusen im Landkreis Aurich ist deutlich schiefer als der in Pisa“, gab Olaf Kuchenbecker von Guinness World Records 2007 (vgl. dpa via SpOn) bekannt. Allerdings wird bei Wikipedia in der Liste „schiefer Türme“ die Neigung der Midlumer Kirche sogar mit 6,74 Grad angegeben.

2005 wurde der Turm in Köln wieder aufgerichtet, den Schock erlebte die Rheinmetropole allerdings rund fünf Jahre später als im Februar 2009 nur wenige Meter entfernt das Kölner Stadtarchiv einstürzte – Grund übrigens der Bau einer U-Bahn, der auch in London als Verantwortlicher für das Absinken in Betracht gezogen wird. Vielleicht sorgt die Nachricht vom Turm nun aber auch knapp ein Jahr vor den Olympischen Spielen zu einem echten Run auf die britische Hauptstadt, denn Geier Sturzflug empfahl schließlich schon 1983: Besuchen Sie Europa – solange es noch steht.

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Christian Stein

Über Christian Stein

Geboren auf der Margarethenhöhe in Essen, wohnhaft in Köln. Unterwegs im Netz und als Mitglied der Chefredaktion von Handball-world.com auch zu Hause in den Hallen dieser Welt. ;)
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