FDP: Pfeil aus den eigenen Reihen

„Lower, two inch“, lautet eines der kuriosesten Zitate aus dem 1983 veröffentlichten Film High School USA mit Michael J Fox. Ein Schüler hatte in der Szene die Latte beim Hochsprung etwas fehlinterpretiert und war limboartig unten drunter hergetaucht. Ähnliches scheint wohl auch die FDP bei ihrer Mission Talfahrt zu sein. Visierte man früher wagemutig eine gute zweistellige Prozentzahl (Projekt 18) an, so scheint man sich nun alle Mühe zu geben um einem Zitat von Rudi Völler folgend „noch einen tieferen Tiefpunkt“ anzustreben.

2,8 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 1,8 in Berlin sollen scheinbar noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Just in dem Moment, wo es Gesundheitsminister Daniel Bahr mit seinem Vorschlag zur Organspende schaffte der Partei mal wieder zu ein wenig positiver Resonanz zu verhelfen und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger noch als Bastion zum Schutz der Bürgerrechte punktet, gibt es wieder Gegenwind – und zwar aus den eigenen Reihen.

So erklärte der Frankfurter FDP-Chef Dirk Pfeil gegenüber der Frankfurter Neuen Presse, dass „die Mehrheit der Bevölkerung keine politische Bildung genossen hat.“ Angesichts der in den letzten Monaten bekannten „Wutbürger-Diskussionen“ im Zuge von Stuttgart 21 oder Fukushima verwundert Pfeils Feststellung: „Die Masse ist meinungslos, sprachlos.“

Auch die Zeitung, die nämlich nachhakt: „Also sind die Wähler zu ungebildet, um die Botschaft der FDP zu verstehen?“ Worauf der Poltiker „pfeilschnell“ antwortet: „Die Masse ja. Deswegen werden wir nie eine Volkspartei. Liberal zu sein, ist keine Massenmeinung.“ Und auf die Frage, was denn die FDP tun müsste, um die Wähler zu erreichen, da erklärte er: „Wenn ich das wüsste – dann würde ich es vermutlich nicht einmal laut sagen, weil es die anderen Parteien dann nachmachen würden.“ Aha.

Immerhin, man kann der FDP 2011 nicht vorwerfen, dass sie Politik mit dem Ziel der Stimmenmaximierung betreibe. Vielmehr verfolgt die Partei konsequent den Gang in die Bedeutungslosigkeit. Und vielleicht geht das sogar „pfeilschnell“.

Share
Christian Stein

Über Christian Stein

Geboren auf der Margarethenhöhe in Essen, wohnhaft in Köln. Unterwegs im Netz und als Mitglied der Chefredaktion von Handball-world.com auch zu Hause in den Hallen dieser Welt. ;)
Dieser Beitrag wurde unter Notizen, Politik abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu FDP: Pfeil aus den eigenen Reihen

  1. Felix sagt:

    Im liberalen Sinne heißt „liberal“ nicht nur „liberal“… 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.