Socialsitter: Tamagotchibetreuer fürs Social Network

Kennen sie noch Tamagotchi? Mitte der 90er Jahre gab es einen richtigen Boom auf dieses kleine elektronische Spielzeug, wo ein virtuelles Küken gehegt und gepflegt werden musste – und zwar zu allen möglichen Zeiten, ob nun während der Arbeit, Schule, Studium, während der Party, dem Kaffee mit Freunden oder zur nachtschlafenden Zeit. Wurde es vernachlässigt, dann starb es.

Nun, seit diese kleinen Apparate auf den Markt kamen, hat sich die digitale Welt schon erheblich gewandelt. Zunächst feierte das Handy, später das Internet und zu guter Letzt auch das soziale Netzwerk seinen Durchbruch. Die Allgegenwärtigkeit wurde dabei immer stärker zur Selbstverständlichkeit und ist nun auf dem Weg ein „Geschäftsfeld“ zu werden.

Getreu der These „Es gibt nichts, was es nicht gibt“ stellt ein Unternehmen nun tatsächlich Personen zur Verfügung, die während der eigenen Abwesenheit – zum Beispiel im Urlaub – das Benutzerprofil übernehmen und weiter pflegen. Das berichet „Werben und Verkaufen“ auf seiner Website. „Der beautragte Sitter übernimmt dann die Rundumbetreung des Profils – unter anderem Status-Meldungen, Posts, Likes, Linksharing“, heißt es in der Vorstellung.

Das ganze Angebot ist vermeintlich kostenlos, wenn man mal von der Nebensächlichkeit absieht, dass man Zugang zu sämtlichen Informationen, sei es jetzt die eigenen oder eben auch die, die „Freunde“ mit einem teilen, zugänglich macht. Jegliche Sicherheitseinstellungen werden damit natürlich ausgehebelt, wie auch der eigentliche Sinn des Netzwerks. Im Endeffekt ist es, als wenn man jemanden engagiert, der für einen mit Freunden ins Kino geht oder sich mit Bekannten auf einen Kaffee trifft. Es zeigt, dass für viele das „soziale Netzwerk“ vielmehr eine Darstellungsplattform ist.

Konstantin Neven DuMont prophezeit dem Markt auf seinem eigenem Facebook-Profil große Zukunftschancen, betont aber: „Von den präsentierten Socialsittern würde ich mich aber nicht vertreten lassen.“ Sicher, für Personen des öffentlichen Lebens könnte das Outsourcen des Facebook-Profils tatsächlich attraktiv werden, aber man kann auch jetzt schon getrost davon ausgehen, dass die Profile des einen oder anderen Prominenten eher vom eigenen Management, als von der Person selbst geführt werden.

Es gibt auch in der sich entwickelnden Diskussion, um die Zukunftschancen prompt die ersten Einwände. Angesichts der Welle an Smartphones „kann doch jeder mit Handy ins Internet“, wendet ein User ein und erklärt: „Da braucht niemand eine Urlaubsvertretung.“ Allerdings ist die grundsätzliche Frage, welchen Schaden eigentlich eine vierzehntägige Auszeit verursachen soll. Jemand anderes fragt, daher auch: „Wer braucht sowas? Und wie konnten wir bisher ohne leben?“

Das eigene Profil in fremde Hände legen, das dürfte – zumal es den meisten Freunden vermutlich auch auffallen dürfte – mehr Risiken als Chancen bieten. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt, aber: Wer hätte für sein Tamagotchi schon einen Babysitter angeworben? Und, ich werde den Gedanken, auch bei dem angefügten Video nicht los, dass es sich doch um einen hoax handelt.

Share
Christian Stein

Über Christian Stein

Geboren auf der Margarethenhöhe in Essen, wohnhaft in Köln. Unterwegs im Netz und als Mitglied der Chefredaktion von Handball-world.com auch zu Hause in den Hallen dieser Welt. ;)
Dieser Beitrag wurde unter Netzwelt, Themen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Socialsitter: Tamagotchibetreuer fürs Social Network

  1. Felix sagt:

    Naja, ich würde meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass es damals keine Tamagotchi-Sitter gab…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.