Ich habe am Wochenende die “Bild am Sonntag” durchblättert und da war er wieder: KT. Die Lichtgestalt Karl Theodor zu Guttenberg. Der ehemalige Verteidigungsminister, der über Plagiate in seine Doktorarbeit gestolpert war, sprach auf einem Kongress in Kanada. Für die “BamS” die Vorlage zur Überschrift: “KT übt sein Come Back”. Doch das war nicht alles, nein. “Er zieht den Koffer selbst.”
Ich war mir einen Moment unschlüssig, ob das “Er zieht den Koffer selbst” ein Vorwurf an die Gesellschaft war, oder einfach nur Begeisterung. Beim Lesen des Textes wurde der Tenor aber schnell klar, die Freude sprang fast aus jeder Zeile. “Neue Frisur, keine Brille” und zurück auf der “Großen Bühne”. Bei den Brettern, die die Welt bedeuten, handelte es sich um eine Sicherheitskonferenz im kanadischen Halifax. Zitate von abseits der Bühne gibt es allerdings nicht, der ehemalige Verteidigungsminister scheint selbst nicht unbedingt ins Scheinwerferlicht zurückzudrängen – zumindest noch nicht.
Vielleicht weiß er aber nur, dass er selbst seine Rückkehr auch nicht ankurbeln muss, denn er wurde schmerzlich vermisst. Die große Sehnsucht wird allein schon dadurch abgebildet, dass dem Vernehmen nach 20 von 50 bei der Veranstaltung akkreditierten Journalisten aus Deutschland anreisten. Andernorts wären wohl vielfach mehr deutsche Schreiber und Fotografen angereist und hätten weiter von den US-Präsidentschaftskandidaten abgelenkt, die eigentlich im Mittelpunkt standen. Schon die Zwanzig genügte den Veranstaltern jedoch, “die höchste Geheimhaltungsstufe zu verhängen”, wie die Welt am Sonntag schreibt.
“Geheimhaltung” gab es auch in den letzten Wochen. Selbst bei bild.de finden sich in diesem Zeitraum nur einige dünne Meldungen über das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit, sowie ein paar Äußerungen der Freifrau. Die Hoffnung auf eine Verfilmung wurde schon bemüht, damit das Thema nicht vollends einschlief, während sich der Freiherr Karl Theodor zu Guttenberg im selbst gewählten “US-Exil” befindet.
Die tätowierte und so moderne Frau des Bundespräsidenten war ausgetreten, der Nachwuchs der Ministerin Schröder auch – die Politik lieferte angesichts der zahlreichen Krisenherde wenig Unpolitisches in den letzten Monaten – selbst das “Sarah in Love” mit Oskar Lafontaine verebbte überraschend schnell. Niemand aus der Politik wollte die Kategorie “Lifestyle”, Unterpunkt “Mode”, Unterunterpunkt “Frisuren” befeuern. “Gel oder nicht?”, ein kurzer Auftritt von zu Guttenberg belebt aber umgehend auch diese Kategore auf bild.de wieder mit Inhalten aus der Politik.
“Er ist wieder da”, mag man mit Marion März trällern, und mit ihr traurig sein, dass er noch nicht an der Tür geklingelt, noch nicht angerufen hat. “Wieder hier” ist er eben noch nicht, wie es weiter in dem Lied heißt – nachzuhören bei youtube.com übrigens in einer Version von Katja Ebstein, die den vielen KT-Fans mit ihrem Lied “Wunder gibt es immer wieder” auch gleich Hoffnung auf mehr als nur die Rückkehr macht. Schließlich sagt KT laut bild.de Sätze, die auch in Schlager passen würden. Sätze wie: “Es fehlt an Gefühlen und Emotionen, wenn über Europa gesprochen wird.”
Apropos “KT-Fans”, die Satireseite der-postillion.com bringt eine App ins Gespräch, die bei Facebook automatisch alle Freunde löscht, die sich in “Guttenberg-Unterstützer-Gruppen” finden oder gar seine Rückkehr fordern. “Selbst langjährige Jugendfreunde können sich plötzlich als Guttenberg-Unterstützer entpuppen”, heißt es dort im Bericht über “NoGuttFriends” warnend. Und mit dem Erwachen der Erinnerungen an den damaligen Ausnahmezustand, in dem sich nicht nur einige Medien befanden, steigt die Erkenntnis, dass ein solcher Filter vielleicht wirklich nötig sein könnte.
Die Vorbereitungen auf die Rückkehr des vormals als politischer Messias der CSU Gefeierten scheinen derweil bereits auf Hochtouren zu laufen. Seit Monaten gab es zwar keine Interviews, doch nun soll in Kürze gleich ein ganzes “Interview-Buch” erscheinen. “Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo befragte den CSU-Politiker zum Umgang mit den eigenen Fehlern, die Zeit nach dem Rücktritt und zu einem möglichen Comeback”, heißt es in der Ankündigung der dpa, Landesdienst Bayern. Der Titel: “Vorerst gescheitert”. Vorerst. Aber nicht mit dem Koffer. Der wird nun selbst gezogen. Ein Anfang. Vorerst.
Hinweis:
Sollten über das Banner mit dem Buch Provisionserlöse bei amazon erzielt werden, werden wir diese gerne Programmiern einer “NoGuttFriends”-App zur Verfügung stellen.
