Bobfahren: Gratisgetränk und sicher nach Hause

Am 10. und 11. November 2011 trafen sich erstmals alle sieben deutschen BOB-Initiativen aus: Bayern, Rheinland-Pfalz, Thüringen, dem Saarland und Hessen zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch in St. Ingbert. Bob stammt aus Belgien und ist angetreten mit dem Ziel, dass sich weniger Leute alkoholisiert hinters Steuer setzen und Auto fahren.

Belgien ist seit einiger Zeit zu Unrecht nur bekannt für die Kreation leckerer Schokolade. Bereits im Jahr 1995 hat das Belgische Institut für Verkehrssicherheit „Bob“ zum Leben erweckt. Kern der Geschichte ist, dass sich der Fahrer einer Gruppe, die gemeinsam durch die Kneipen zieht, zu erkennen gibt und auf 0,0 Promille verpflichtet. Zu erkennen gibt er sich durch einen quietschgelben Schlüsselanhänger aus Schaumstoff.

Die Verantwortung für die Fahrtüchtigkeit hängt dabei am Fahrer, er oder sie wird aber von den Kneipenwirte mit zumindest einem alkoholfreien Gratisgetränk dabei unterstützt, sauber zu bleiben. „BOB läuft in Belgien sehr erfolgreich. Etwa 96 % der Bevölkerung kennt BOB und über 50 % sind bereits einmal BOB gewesen“, schreibt die deutsche aktion-bob.de. Fahrten mit Alkohol seien in Beglien stark rückläufig.

Bob gibt es aktuell in 18 Ländern, auch in Deutschland haben sich erste Bob-Fans gefunden. Beispielsweise im Landkreis Neu-Ulm, über den die Stuttgarter Zeitung berichtet: „Nicht nur die teilnehmenden Gastwirte im Kreis Neu-Ulm geben die knallgelben Schlüsselanhänger an interessierte Stammgäste ab. Auch die Führerscheinstelle im Landratsamt verteilt sie. Im neuen Jahr will Jugendschützer Kwiedor auch die Fahrschulen im Landkreis ins Boot holen.“

Kwiedor ist Mitarbeiter des Jugendamts in Neu-Ulm, der Jugendschutz ist seine Aufgabe, und die Strategie wirkt durchdacht. Über die Fahrschulen bekämen die jugendlichen Fahranfänger direkt Infos zu Bob und würden sozusagen damit aufwachsen. Sponsoren sollen zudem gewonnen werden um den „Gruppen-Fahrern“ möglichst viele Freigetränke zu ermöglichen. Doch es gibt auch Kritiker, nicht jeder Lokalpolitiker wird mit Bob gleich warm. Gerade in Bayern scheint man nicht durchweg bobfreundlich eingestellt zu sein.

Freilich wird man im Bierland Bayern, dazu gehört der Landkreis Neu-Ulm, kritisch beäugt, wenn man keinen Alkohol trinkt. Dabei hat selbst der kurzzeitige Landesvater des Freistaats, Günther Beckstein, bei seiner legendären Einlassung, man könne auch nach zwei Maß Bier noch fahren, wenn man sie binnen sechs oder sieben Stunden trinke, in einem allgemein kaum weiter kommunizierten Nebensatz erwähnt, dass er die 0,0-Promille-Grenze für junge Fahrer „für absolut notwendig“ halte.

Auch im Stadtrat von Illertissen – ebenfalls Bayern – fand sich trotz des positiven Bier-Images eine satte Mehrheit für das Projekt. Doch Bob gedeiht dort nur langsam, in Illertissen sei erst eine Gaststätte gewonnen worden. Dabei habe man bereits zwei Fahrschulen für das Projekt gewonnen. Vor allem die „Bürgerliste“ schießt in Illertissen gegen Bob, sie stellt aber nur drei Sitze im Stadtrat.  Nicht gerade eine Wand der Kritik.

Die Koordination von Bob in Deutschland läuft offenbar über das Polizeipräsidium Mittelhessen mit Sitz in Gießen. Die Deutschland-Webseite von Bob nennt auch die Ansprechpartner in den Stadt- und Landkreisen, die bereits teilnehmen. Der Neu-Ulmer Reinhold Kwiedor, der für einige Schlagzeilen im Süden sorgt, ist dabei noch ungenannt. Ebenso fehlen Ansprechpartner in den dreizehn anderen Bundesländern. Die beste belgische Erfindung seit der Schokoladen-Praline (1912) entwickelt sich langsam. Aber das angehängte Video zeigt: „Bobfahren“ kommt in Mode.

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Über Felix Buß

Die Welt ist für mich ein Pulverfass, das zum Ziel hat, mich zu explodieren. Georg Kreisler
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