Ein Bekannter von mir ist Kunde der Postbank. Am späten Abend wollte er wegen “Geldnot” die Hauptpost einer deutschen Landeshauptstadt betreten, um dem Automaten ein paar Scheine zu entlocken. Die Postbank hat nämlich so genannte “24-Stunden-Bereiche” eingerichtet, in denen man nachts, wie in jeder anderen mir bekannten Bank auch, zum Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker gehen kann. Der 24-Stunden-Bereich dieser Filiale hielt allerdings eine Überraschung bereit.
Der Kollege stand nämlich vor verschlossenen Türen. Eine knappe Notiz, gedruckt auf ein Blatt Papier, erklärte in dürrem Amtsdeutsch, warum der Weg in den 24-Stunden-Bereich versperrt war:
“Sehr geehrter Kunde, sehr geehrte Kundin, leider können wir unseren 24-Stunden-Bereich ausserhalb unserer Öffnungszeiten nicht zur Verfügung stellen”, hieß es dort – wie gesagt an an der Schaufensterscheibe der Hauptpost einer deutschen Landeshauptstadt. Die Öffnungszeit sei wochentags bis 19 Uhr, samstags bis 14 Uhr.
Es wird dem “sehr geehrten Kunden” dabei die Adresse einer anderen Filiale genannt. Diese ist allerdings nicht nur ein Stück entfernt, sie liegt zudem in einem Bereich der Stadt, der nachts nicht unbedingt zu den gern besuchten zählt. Der Grund für die Einschränkung wurde nicht genannt, vermutlich sollten “Übernachtungsgäste” abgehalten werden. Allerdings scheint es an der anderen Filiale – und auch anderen Banken in der Stadt, unter anderem im Hauptbahnhof – zu gelingen, einen 24-Stunden-Bereich auch für 24 Stunden zugänglich zu machen.
Sprachlich interessant ist, dass die Postbank dennoch an ihrer Sprachregelung “24-Stunden-Bereich” festhält. Denn 24 Stunden zugänglich ist der Bereich ja nicht. Was stimmt, ist lediglich, dass der Bereich tatsächlich 24 Stunden täglich eines ist: Ein Bereich. Rein sprachlich und nach dem genauen Wortlaut ist der Begriff also durchaus korrekt, er verliert bei dieser Lesart aber seine Bedeutung, denn schließlich existiert jeder Bereich für 24 Stunden am Tag. Der Kunde kann dies mit einem Blick durch die Glasscheibe sogar prüfen, der Bereich ist da, nur eben nicht zugänglich.
Hier auf unlesbar.de war aus anderer Feder unter der Überschrift: “Postbank: Unterm Strich” bereits über eine den Kunden irritierende Maßnahme berichtet worden. Schließlich wird dem Kunden signalisiert, er sei zwar geehrt, aber Zugang erhalte nicht. Ob dies nur eine Zwischenlösung ist und der Bereich in nächster Zeit wieder für 24 Stunden geöffnet wird, wird aus der Mitteilung auf dem Zettel jedenfalls nicht deutlich – es scheint eine Dauerlösung. Davon ab, aber generell ein fragwürdiger Umgang mit dem Kunden, der nachts im Halbdunkel dann nur hoffentlich auch den Schreibfehler übersieht.
Ich bin glücklicherweise Kunde einer Bank, die es mir ermöglicht, mit meiner Kreditkarte bei allen Banken dieser Welt gratis Geld abzuheben – auch nachts – nicht allerdings in eben diesem 24-Stunden-Bereich der Postbank. Es bliebe aber eine andere Bank in der Nähe, eine Option auch für den Kunden der Postbank, wenn die Bank zur sogenannten “Cash Group” gehört. Allerdings stellt sich dann die Frage, wieso nicht gleich ganz zu einer anderen Bank? Vielleicht einer, die nicht nur einen 24-Stunden-Bereich, sondern auch einen 24-Stunden-Service bietet.
