In Passau sagt man nicht tschüss

Manche Geschichten, die das Leben schreibt, sind schon skurril. So erlangte nun eine Schuldirektorin in Passau Bekanntheit, weil sie ihren Schülern schlichtweg „Hallo“ und Tschüss“ verbietet. „Wir bemühen uns, ohne diese beiden Grußformeln in unserem Haus auszukommen“, heißt es in einem Aushang der Mittelschule St. Nikola, wie SpiegelOnline berichtet.

„Über ein ‚Grüß Gott‘ und ein freundliches ‚Auf Wiedersehen‘ freuen wir uns jedoch jederzeit“, heißt es von Seiten der Schule. Es ginge bei dieser erzieherischen Maßnahme darum die Schüler auf das spätere Berufsleben vorzubereiten. „In Bayern heißt es nun mal ‚Grüß Gott'“, wird die Rektorin Petra Seibert zitiert.

Dass in der heutigen Zeit Schüler auch außerhalb Bayerns einer Arbeit nachgehen, ist wohl nicht zu befürchten. Auch scheint es generell keine größeren Probleme im bayrischen Schulsystem zu geben und auch die bei „Grüß Gott“ nicht vorhandene Religionsneutralität und der psychische Druck auf Atheisten bzw. auf Religionsgemeinschaften bei denen es „Grüß Götter“ heißen müsste, scheint im Süden vernachlässigt zu werden.

Streng genommen müsste nun eine RTL-Vorabendserie aus den Neunziger Jahren wohl nachträglich noch auf den Index kommen. Produziert wurde „Und Tschüss!“ übrigens von der Bavaria Film. Man weiß zumindest, warum die SpinOffs in Spielfilmlänge „Auf Mallorca“, „in Amerika“ oder „Ballermann Olé“ hießen. Aber nicht nur die Titelmelodie der Serie von der Gruppe Hexenhaus, sondern auch die bayrischen Volksmusikikonen Maria und Margot Hellwig wie auch die Hamburgerin Heidi Kabel werden wohl möglicherweise bald auf den MP3-Playern von renitenten Passauer Widerstandskämpfern als Protestlied zu finden sein.

Dabei hatte die Volksschauspielerin in ihrem Lied „In Hamburg sagt man Tschüss“ eigentlich deutlich und auch für eine Passauer Schuldirektorin verständlich erklärt, dass „Tschüss“ einfach nur „Auf Wiedersehen“ heißt. Und davon ab stellt sich die Frage, wohin die Wut zur Regelmentierung noch treibt, und, ob ein norddeutsches „Moin“ gleich zu einem Schulverweis oder zu einer Strafarbeit führt. Vielleicht muss der Schüler dann im Stile von Bart Simpsons „Moin ist keine bei uns gebräuchliche Begrüßungsformel“ auf die Tafel schreiben. Dass die Stadt Passau 1980 mit „Europapreis“ für ihre Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet wurde, scheint jedenfalls längst vergessen.

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Christian Stein

Über Christian Stein

Geboren auf der Margarethenhöhe in Essen, wohnhaft in Köln. Unterwegs im Netz und als Mitglied der Chefredaktion von Handball-world.com auch zu Hause in den Hallen dieser Welt. ;)
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