Jackie Robinson und das Ende der “Color Line”

“Jack Roosevelt „Jackie“ Robinson (* 31. Januar 1919 in Cairo, Georgia; † 24. Oktober 1972 in Stamford, Connecticut) war ein amerikanischer Baseballspieler in der Major League Baseball, der meist als Second Baseman spielte”, ist in der Wikipedia zu lesen. Das besondere an ihm: Heute vor 65 Jahren war er der erste Spieler afrikanischer Abstammung in der US-amerikanischen Major League Baseball. Robinson wurde zu einer Symbolfigur der Rassenintegration im amerikanischen Profisport und in der Gesellschaft.

Ab dem Jahr 1867 zeichnete sich ab, dass Baseball in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ein rein weißer Sport werden würde, das heißt, dass nur Spieler mit weißer Hautfarbe eine Spielberechtigung erhalten sollten. Am 16. Oktober 1867 wurde dem farbigen Pythian Baseball Club aus Philadelphia nach den Statuten der Pennsylvania State Convention of Baseball die Lizenz verweigert. Zwei Monate späte folgte ein Bann für Teams mit farbigen Spielern.

Zunächst existierte dieser Bann nur in einigen Minor Leagues. Aufgrund der Professionalisierung der Sportart und organisatorischer Zwistigkeiten wurde der Bann in den folgenden Jahren noch nicht so streng verfolgt, daher gab es 1878 und 1884 farbige Spieler in der Major League, berichtet die Wikipedia über diese so genannte Color Line. Unter anderem der Baseball-Profi Cap Anson, First Baseman der Chicago White Stockings, trieb den Ausschluss von Schwarzen jedoch voran.

Immer wieder lehnte sich Anson auf, wenn im gegnerischen Kader dunkelhäutige Spieler standen. Er wollte nicht auflaufen. Allerdings spielte er dann stets doch, da er sonst bei der Antrittsprämie leer ausgegangen wäre. Aufgrund des Einflusses Ansons und weiterer bekannter Spieler beschloss die International League, die Minor League des Staates Illinois, am 14. Juli 1887 mit sechs zu vier Stimmen ein Verbot von Vertragsschlüssen mit Spielern afrikanischer Abstammung.

Die Major Leagues schlossen sich an. Zwischen 1890 und dem 14. April 1947 spielte daher kein dunkelhäutiger Spieler in den US-amerikanischen Baseballligen National League und American League (gegründet 1899, Spielbetrieb seit 1901). Es gab einige wenige Versuche, Spieler afrikanischer Abstammung zu integrieren, indem sie etwa zu Indianern “gemacht” wurden. Das flog aber stets auf und die Sportler reisten zumeist unverrichteter Dinge wieder.

Einer der letzten dunkelhäutigen Baseballspieler war Moses Fleetwood Walker. Syracuse entließ ihn im Juli 1889 aus dem Vertrag. Der clevere und geschäftstüchtige Walker wurde in der aufkeimenden Kinobranche aktiv und kaufte später einen Zeitungsverlag. In der Restitution gab es seit 1877 zunehmend Bestrebungen, die nach 1865 durch Bundesrecht geschützten Bürgerrechte Dunkelhäutiger zu konterkarieren und sie dennoch aus dem öffentlichen und politischen Leben auszuschließen.

Moses Fleetwood Walker kämpfte zeitlebens gegen diese “Segregation”. Im Baseball und allen denkbaren Lebensbereichen blieb es jedoch lange Zeit üblich, dass “Weiß” und “Schwarz” getrennt waren, sei es bei den Bildungschancen, dem davon teilweise unmittelbar abhängigen Wahlrecht oder in der Straßenbahn. Bis zum Civil Rights Act 1964 blieb es de facto bei der so genannten Rassentrennung.  Es gab also auch weiterhin Schwarze, die Baseball spielten. Aber eben unter Schwarzen.

Manch dunkelhäutiger Baseballspieler hatte weniger Glück als Walker, wurde nach den Verboten ab 1887 arbeitslos oder konnte zumindest seinem Hobby nicht mehr auf Wettkampfniveau nachgehen. Erst ab dem 13. Februar 1920 gab es für dunkelhäutige Baseballspieler wieder einen offiziellen und dauerhaften Ligabetrieb auf höchster Ebene, der mehr als eine komplette Spielzeit überdauerte. Vom Mittleren Westen aus expandierte diese Negro National League Richtung Süd- und Ostküste. Allerdings gab es auch immer Konkurrenzverbände, eine landesweit einheitlichen Strukturkörper gab es noch nicht. 1931 machte die Große Depression der Negro National League ein Ende. 1933 und 1937 gab es aber Neugründungen, die bis 1960 einen “schwarzen” Regelspielbetrieb gewährleisteten.

Unter anderem auf den Journalisten Wendell Smith (The Pittsburgh Courier) geht die gegenläufige Entwicklung seit den 1940er Jahren zurück, Spieler afrikanischer Abstammung wieder in den Spielbetrieb der Major League zu integrieren. Doch erst als der Manager der Brooklyn Dodgers, Branch Rickey, 1945 „das große Experiment“ wagte und den dunkelhäutigen Jackie Robinson vom Negro League-Club Kansas City Monarchs für die Saison 1947 in die Major League holte, brach der Bann.

Es war eine Gratwanderung: Seit einiger Zeit schon profitierten die Major League Clubs davon, dass sie ihre Stadien an die Teams der Negro National League (NNL) vermieteten. Die Major League Clubs zogen also beträchtliche Einnahmen aus der Segregation im Baseball. Die Clubs waren wiederum besorgt, dass besondere Talente in die Major League abwandern, was die Qualität der NNL schwächen würde. Und dann war da noch das Publikum der Major League Clubs, das wieder an dunkelhäutige Spieler “gewöhnt” werden musste – so die damaligen Bedenken.

Jackie Robinson hatte das Glück, trotz seiner ethnischen Wurzeln an einer Universität studieren zu dürfen und ein multitalentierter Sportler zu sein. Er schwamm, betrieb Tennis, Leichtathletik, Baseball, Football und Basketball und war es gewohnt, sich in ethnisch gemischten Teams zu integrieren und sich durchzusetzen. Dodgers-Manager Rickey und der joviale und weltoffene Jackie Robinson trafen sich. Robinson unterschrieb den Vertrag am 23. Oktober 1945 und trug zunächst das Trikot des Dodgers-Farmteams Montreal Royals. Im kanadischen Baseball gab es keine Rassentrennung.

Am 15. April brach Jackie Robinson die “Color Line”, als er im Trikot mit der Nummer 42 das Spielfeld betrat. Er war bereits 27 Jahre alt. Es war der Anfang vom Ende der Rassentrennung im US-amerikanischen Basketball. Einige Teammitglieder probten zwar den Aufstand, doch das Management stand hinter Robinson und legte diesen Spielern nahe, sich einen anderen Verein zu suchen.

Aber auch die Fans der Dodgers und die Gegenspieler machten es Robinson mit wüsten Anfeindungen zunächst nicht leicht. Doch 1947 wurde er zum Rookie of the Year gewählt und erhielt 1949 die Auszeichnung als Most Valuable Player. Mit seiner Zähigkeit verdiente er sich in einer schwierigen Zeit den nötigen Respekt als Spieler und als Mensch. 1962 wurde Robinson in die Baseball Hall of Fame aufgenommen, das Verbot dunkelhäutige Spieler zu wählen, war in diesem Jahr gefallen. Seit 1972, dem Todesjahr von Jackie Robinson, wird bei den Dodgers die Nummer 42 nicht mehr vergeben.

Share

Über Felix Buß

Die Welt ist für mich ein Pulverfass, das zum Ziel hat, mich zu explodieren. Georg Kreisler
Dieser Beitrag wurde unter Politik, Sport, Themen abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>