Das Stuttgarter B14-Placebo

Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart hat ein Problem, das vom zuständigen Regierungspräsidium offenbar als vordringlich eingestuft wird: Die Messstation für Feinstaub am Neckartor an der Bundesstraße 14 weist seit Jahren zu hohe Werte auf. Früher war an dieser Stelle Tempo 60, seit einiger Zeit darf nur noch 50 km/h gefahren werden, flankiert von einer modernen Geschwindigkeitskontrolle. Die Messwerte blieben schlecht. Nun gibt es neue Konzepte, um der Werte Herr zu werden.

Bei den Planungen zur Senkung der Feinstaub-Messwerte gibt es zwei wichtige Mitspieler, das Regierungspräsidium und den Stuttgarter Stadtrat. Das Regierungspräsidium hat eine Pförtnerampel am Neckartor, bei den Gerichtsgebäuden stadteinwärts, vorgeschlagen. Damit würde die Messstation ausgetrickst, da sich die Feinstaubbelastung stadteinwärts verlagern würde. Die Idee wird daher kontrovers diskutiert, sie könnte aber auch Teil eines größeren Verkehrskonzepts werden.

Neben der Ampel sei eine variable Geschwindigkeitssteuerung über Anzeigetafeln zwischen 40 und 50 km/h vorgesehen, schrieb die Stuttgarter Zeitung in der Mittwochausgabe. Außerdem soll die Tempoüberwachung nochmals verschärft werden, um die Autofahrer zu disziplinieren. Die Autofahrer scheinen indes bereits diszipliniert, es wird wesentlich gemächlicher gefahren als früher. Die Messwerte blieben davon unbeeindruckt. Nach wie vor weist sie im bundesweiten Vergleich Spitzenwerte aus.

Nun muss man wissen, dass es für „emissionsabhängige Verkehrssteuerung“, also Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, den Feinstaubausstoß durch Verkehrsregulierung zu verringern, eine Förderung mit EU-Geldern gibt. Diese Fördergelder hätte die Stadt Stuttgart natürlich gerne. Daher wird im Stadtrat weiter darüber diskutiert, ein größeres Stück der B 14 auf 40 bis 50 km/h zu drosseln. Auch auf Steigungsstrecken der B 27 und im Stuttgarter Osten solle Tempo 40 eingeführt werden. Kosten soll das alles 750.000 Euro.

Die Idee einer Geschwindigkeitsdrosselung an Gefällestrecken in den Stuttgarter Talkessel hinein rührt daher, dass Gutachten ergeben hätten, dass an solchen Straßen der Feinstaub durch eine verringerte Höchstgeschwindigkeit besonders effektiv zu senken sei, auch weil es dann weniger Verkehr gäbe. Es ist nachvollziehbar, dass bei geringerer Geschwindigkeit der Verkehr insgesamt flüssiger ist, bei der Diskussion wird aber gerne vergessen, dass gerade rote Ampeln ein Treiber für Feinstaub sind.

Und da liegt meines Erachtens das eigentliche Problem Stuttgarts. Die Ampelschaltungen scheinen an vielen Stellen asynchron. Hat man an einer Ampel gerade grün und fährt im Rahmen der erlaubten Geschwindigkeit weiter, kann man davon ausgehen, dass die nächste Ampel entweder rot ist oder gerade auf rot schaltet. Eine intelligente Ampelschaltung wäre also ein wichtiger Faktor für weniger Feinstaub. Das scheint mir wesentlich effektiver als Tempo 40. Aber dafür gibt es wohl keine EU-Gelder.

Freuen dürfte der blinde Aktionismus des Regierungspräsidiums vermutlich die Stuttgarter Verkehrsbetriebe. Allmählich wird das Tempo auf der B 14 auf ein Maß gestutzt, dass man, freilich überspitzt formuliert, auch gleich laufen könnte. Oder man nutzt den ÖPNV und tut zugleich noch etwas für die Umwelt. Die Verkehrsbetriebe weisen übrigens eine Zwei-Minuten-Pünktlichkeit von über 90 (Stadtbahn) bzw. über 80 Prozent (Bus) aus – auch wegen einer durchdachten Steuerung der Signale. Autofahrer können darauf nur warten.

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Über Felix Buß

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Eine Antwort auf Das Stuttgarter B14-Placebo

  1. Frank Schenk sagt:

    Willkommen in Schilda!

    Fehlt noch, daß der Feinstaub in Eimern woanders hingetragen wird.

    Daß Bus und Bahn pünktllicher als das Auto sind, ist wohl klar, wenn man die gesamte Innenstadt lahmlegt mit roter Welle und Tempo 40 auf Bundesstraßen…

    m(

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