Spinat für den Berg

“Immer schön Spinat essen, dann klappt es auch besser am Berg”, mit dieser Spitze erhielt ich heute einen Link auf eine neue Studie aus Schweden. Diesmal ist es nicht das Eisen, das für den Popeye-Effekt sorgen soll, sondern das Nitrat. Das bessert seinen Ruf immer weiter auf. Ob gerechtfertigt oder nicht: Es verdeutlicht, dass angesichts der Komplexität belastbare Aussagen schwierig zu sein scheinen – insbesondere wenn diese den Weg aus den Fachmedien heraus finden.

Um kurz die einleitende Spitze zu erklären, die hängt mit einigen Rampen zusammen. Am Samstag ging es auf eine kleine “Explorations-Tour” mit dem Rennrad, die Streckenplanung hatte ich dabei aus der Hand gegeben – und dies bereute ich spätestens am ersten Anstieg. Meine Bergform an sich konnte ich in den letzten Wochen deutlich steigern – zwei 500m lange Rampen mit 15 Prozent Steigung salzten aber die “Selterklippen” zwischen Freden und Ammensen und es folgte oben der Hinweis, dass die richtigen Berge erst noch vor uns lägen.

Insgesamt fanden sich auf den 115km gut 1.500 Höhenmeter – verteilt auf so interessante Namen wie Burgberg im Hils, Roter Fuchs oder Ith und natürlich Roter Berg, der allerdings bei dieser Runde eher als Hügel zählte. Vor allem die steilen Passagen waren für mich nur bedingt amüsant – vielleicht aufgrund der knappen 30 Kilo Gewichtsunterschied zum mitfahrenden “Bergfloh”. Aber, ich überlebte es eigentlich recht ordentlich – den Mitfahrer hielt es aber nicht davon ab, mir heute den Spinat zu empfehlen.

Nun haben der Spinat und ich eine etwas komische Beziehung. Meine Eltern waren nicht unbedingt Fans davon, doch nach dem ersten Popeye-Comic hab ich dann genervt und Spinat bekommen, frisch zubereitet – und nach einer Gabel zur Seite geschoben. Bäh. Aber, auf dem Dorf ist “schmeckt nicht” keine Ausrede. Der Teller wurde geleert, die letzten Bissen Spinat in meinem Leben. Also, fast. Aber, wenn es um die Aufnahme von Nitrat geht, dann würde ich eher direkt zum Kunstdünger greifen – oder zu Alternativen wie Kopfsalat, die eh eine höhere Konzentration aufweisen – siehe hier.

Doch kurz zur Trendwende: “Gemüse sei zwar gesund, weiß ja jeder, aber bei Treibhausware da gäbe es üble Nitratschleudern: zuwenig Sonne – zuviel Dünger. Nitrat soll noch dazu im Körper die Bildung krebserregender Nitrosamine fördern”, berichtet Lebensmittelchemiker Udo Pollmer 2010 auf dradio.de und leitet damit über zum aktuellen Stand: “Eben dieses “böse” Nitrat entwickelt sich zu einem Superstar der Medizin: Aus dem Umweltgift wurde in aller Stille ein begehrtes Therapeutikum.”

Und zwar gegen Schlaganfall und Demenz, weil das aus dem Nitrat gebildete Stickoxid die Durchblutung gerade im Gehirn verbessere. Und er berichtet von Studien, nach denen Arbeiter in Düngerwerken entgegen der Prognosen sogar eine höhere Lebenserwartung haben. Bei welt.de heißt es übrigens, dass Nitrat auch für eine gesunde Verdauung sorge. “Akute Effekte auf das Gehirn sehen wir schon nach einem einzigen Tag”, berichtet laut dieser Quelle Gary Miller im Journal “Nitric Oxide”.

Also her mit dem Nitrat, denn es macht zudem auch noch Muskeln – zumindest bei Mäusen. Der Grund ist naheliegend, alleine aufgrund der verbesserten Durchblutung – so es diese denn gibt: Denn auch der Muskel wird dann besser mit Nährstoffen versorgt, Stoffwechselabfallprodukte werden zügiger abgebaut und das Training effizienter. Bereits im Februar 2011 wurde auf sueddeutsche.de von einer ersten Studie berichtet, bei der Nitrat zu einer besseren Leistung bei Testpersonen sorgte.

Und heute berichtet spiegel.de: “Mäuse, die regelmäßig Nitrat erhielten, hatten viel stärkere Muskeln”, von einer Studie, die im Fachblatt “Journal of Physiology” veröffentlicht werden soll. An Menschen wurde das noch nicht getestet, die Studie selbst wurde noch gar nicht veröffentlicht und die von Süddeutsche zitierte Untersuchung beruhte auf vierzehn Freiwilligen. Ich glaube, da warte ich dann doch erst einmal die klinischen Studien ab, bevor ich popeye-like die Dose Spinat am Berg durch die Pfeife ziehe oder mir Kunstdünger in die Fahrradflasche mixe.

Share

Über Christian Ciemalla

"Als Gründer des Projekts handball-world.com bin ich über die Jahre mit dem Web verwachsen..." Mehr: ciemalla.de oder twitter.com/ciemalla
Dieser Beitrag wurde unter Sport abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>