Gelesen: Finderlohn von Stephen King

Mal wieder ein Stephen King. Denis Scheck hatte bei „druckfrisch“ die Lektüre von „Finderlohn“ empfohlen: „Ein spannender Krimi und obendrein eine kluge Meditation über Autor und Öffentlichkeit, Leben und Literatur“, befand der Kritiker über die Auseinandersetzung mit der Verbindung zwischen Urhebern und ihren Fans. Ein Satz, den ich unterstreichen kann. Interessant finde ich allerdings auch die zweite Ebene der Reibung an der Bedeutung der Gattung des Entwicklungsromans.

„Aufwachen, Sie Genie.“ Mit diesem Satz beginnt das Buch und zieht einen von den ersten Zeilen in eine interessante Geschichte. Der angesprochene Autor, John Rothstein, will aber nicht aufwachen. Die kurze Einführung ist sinnbildlich, nach drei gefeierten Romanen hat Rothstein über Jahrzehnte nichts mehr veröffentlicht.

Zum Ärger von Morris Bellamy. Der Anführers der Einbrecher ist über die finale Entwicklung des Helden im letzten Band der Triologie und das verschwendete Talent des Autors aufgebracht. Die Wut entlädt sich in einem Kopfschuss, mit einigem Bargeld sowie zahlreichen Notizbüchern verlässt Bellamy das Haus, entledigt sich seiner Mittäter und wird wenig später aufgrund eines anderes Verbrechens verhaftet und zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Der zweite Teil der Handlung startet mit dem Fund der Beute durch den Teenager Peter Saubers. Zahlreiche Parallelen gibt es zwischen Saubers und Bellamy, beispielsweise die Begeisterung für Rothstein.

Von der Hoffnung getragen, dessen Notizen einmal lesen können, hält Bellamy im Knast durch – übrigens mit einer ähnlichen Entwicklung als „Dienstleister“, der sich zum Überleben in eine Hierarchie einordnet, wie der Protagonist der Romane.

Nach der Entlassung des Rothstein-Mörders und dessen Suche nach den Notizbüchern nimmt die Dynamik zu und kreist in Kingscher Manier glänzend komponiert dem Showdown entgegen, bei dem auch einige Figuren aus dem vorherigen Werk Mr. Mercedes eine Rolle spielen. Die Teile fügen sich dabei harmonisch, einer inneren Logik folgend zusammen.

Persönlich würde ich das Buch nicht wirklich in die Kategorie Krimi einsortieren, auch wenn er um mehrere Morde kreist. Aus meiner Sicht ist es eher ein Entwicklungsroman, bei dem der Protagonist allerdings nicht die übliche Reise antritt, sondern Verantwortung für seine Familie übernimmt – und in Probleme kommt, als er dafür ein zu hohes Risiko eingeht.

Ein Gegenentwurf, zu klassischen Entwicklungsromanen wie dem Fänger im Roggen oder eben auch dem Rothstein-Werk aus dem Buch sowie eine Reflexion über Rezeption von Literatur. Auch wenn die vorbereitenden Sequenzen für den Nachfolger in der Triologie in dem ansonsten handwerklich glänzenden Roman wie Fremdkörper wirken, der Bösewicht nicht die von King gewohnte psychopathische Tiefe hat, einige Redigierfehler zu finden sind und das Ende nicht wirklich überraschend kommt: Insgesamt eine klare Leseempfehlung.

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Über Christian Ciemalla

"Als Gründer des Projekts handball-world.com bin ich über die Jahre mit dem Web verwachsen..." Mehr: ciemalla.de oder twitter.com/ciemalla
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