Kurz notiert: Wie man mit Google das Denken verlernt

Es war Samstagabend und ich befand mich in Neckarsulm. Das liegt nördlich von Heilbronn und hat eine gewisse regionale Bedeutung, weil dort ein Atomkraftwerk steht und ein großer deutscher Autobauer dort produzieren lässt. Beides ist jedoch für die Geschichte nicht von Belang. Ich hätte mich auch in Bad Oeynhausen befinden können, womit ich nichts gegen Bad Oeynhausen gesagt haben möchte.

Als ich mich in Neckarsulm auf den Heimweg machte, wusste ich, dass die A8 zwischen dem Dreieck Leonberg und dem Kreuz Stuttgart wegen einer Brückensprengung gesperrt war. Da musste ich eigentlich durch. Ich rechnete dort mit Verkehrsbehinderungen und aktivierte Google Maps, um mich auf den schnellsten Weg an mein Ziel führen zu lassen. Google deklamierte sofort, das auf der Strecke ein Stau sei. Merkwürdigerweise auf der A6. Ich dachte, ich hätte mich verhört. Von 26 Minuten Verzögerung war die Rede.

Grundsätzlich bin ich in der Gegend relativ ortskundig. Ich wusste also, als ich die Schilder rechts Richtung Heilbronn und links zur Autobahn sah, dass ich genauso gut Richtung Heilbronn fahren und den Stau auf der A6 umfahren konnte. Dadurch würde ich vielleicht vor der von Google angekündigten Zeit an mein Ziel kommen.

Angemerkt sei, die Straßen-Navigation von Google ist grundsätzlich relativ gut. Der verwendete Algorithmus sieht auch vor, dass von irgendwie festgelegten Punkten unterwegs immer wieder geprüft wird, ob es einen schnelleren Weg von diesem Punkt zum Ziel gibt. Mögliche andere Routen werden grau angezeigt, unter Angabe der Zeitersparnis. Der Abzweig nach Heilbronn war kein solcher Punkt.

Ich folgte dem Schild Richtung Heilbronn nicht und fuhr auf die Autobahn, woraufhin mir die Stimme der Google-Navigation nicht ohne eine hörbare Fröhlichkeit kurz hinter der Ausfahrt verkündete, dass mich „in 800 Metern“ ein Stau erwarte. Ich dachte: Naja 26 Minuten bekomme ich schon irgendwie rum.

Tatsächlich dauerte es dann über eine Stunde länger, bis ich zuhause war. Ganz schön genervt vergaß ich nach der Ankunft auch noch, die Leselampe im Auto wieder auszuschalten. Ich hatte sie kurz angeschaltet um sicherzugehen, dass ich nichts im Auto liegen lasse.

Tags darauf war die Autobatterie leer.

Nächstes Mal höre ich auf meine innere Stimme und nicht auf Google.

Share

Über Felix Buß

Die Welt ist für mich ein Pulverfass, das zum Ziel hat, mich zu explodieren. Georg Kreisler
Dieser Beitrag wurde unter Notizen, Themen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.